„Bayern? Warum nicht“

von Redaktion

Johannes Voigtmann glaubt, dass sich Europas Basketballszene verändern wird

VON PATRICK REICHELT

München – Es hat ja auch etwas Gutes, dass der Basketballspielplan auch Johannes Voigtmann nicht viel Luft für den Alltag lässt. Der Nationalspieler bekommt nicht viel zu spüren von der Atmosphäre in Vitoria-Gasteiz. Die ist angespannt in diesen Tagen. In gut drei Monaten wird in der basketball-verrückten Hauptstadt des Baskenlandes im Final-4-Turnier der neue Euroleague-Champion gekürt. Und die Botschaft auf den Straßen der 250 000-Einwohner-Stadt ist unmissverständlich: „Man will uns natürlich unbedingt dort haben“, sagte Voigtmann.

„Fünf bis sechs Siege“, so hat er sich ausgerechnet, wird man dafür aus den verbleibenden neun Partien noch brauchen. Womit das heutige Duell mit dem FC Bayern (20.30 Uhr) schon zum Pflichtstück wird.

Ob es dazu beim Wiedersehen mit seinem alten Kumpel Danilo Barthel reicht, wird auch nicht ganz unwesentlich von Voigtmann selbst abhängen. Der 2,14-Meter-Riese hat unter dem kroatischen Trainer Velimir Perasovic wieder zur alten Form zurückgefunden. In den letzten sechs Partien in der Euroleague sammelte er im Schnitt 12 Punkte und griff acht Abpraller ab. Zuletzt beim 97:73 über Maccabi Tel Aviv war der 26-Jährige mit 20 Punkten Matchwinner.

Auftritte wie dieser haben den gebürtigen Eisenacher, der in seiner Jugend übrigens zunächst Handballer war, in die Riege der gefragtesten Center Europas aufrücken lassen. Das hatten ihm 2016 noch nicht viele zugetraut, als ihn in Baskonia Vitoria-Gasteiz eine der absoluten Topadressen aus Frankfurt in die derzeit beste nationale Liga des Kontinents holte. Doch Voigtmann hat sich durchgesetzt. Und darf von mehr träumen; „Wenn sich die Chance NBA ergeben sollte, dann werde ich die Augen offen halten.“

Doch der Jung-Vater – Frau Amrei brachte vor gut vier Monaten den gemeinsamen Sohn zur Welt – betrachtet seine Karriereoptionen so unaufgeregt wie er eben ist. Spanien, die Euroleague – das ist ein Umfeld, in dem Voigtmann sich wohlfühlt. Noch. Schon im nächsten Jahr nimmt die Expansion der Euroleague ihren Anfang. Aus 16 Teams werden dann 18. Noch einmal vier Spiele mehr also auf höchstem europäischen Niveau. Und das in einem Umfeld wie in Spanien, in dem im August die Vorbereitungsphase beginnt und im Juli die Saison endet. „Ich habe keine Ahnung, wohin man diese Spiele in unserem Kalender noch stecken will“, sagte Voigtmann.

Und der Nationalspieler, der im Sommer bei der WM in China unbedingt mit dem DBB-Team nach einer Medaille greifen will, ist davon überzeugt, dass sich die Szene einschneidend verändern wird. „Ich werde es wahrscheinlich nicht mehr als Spieler erleben“, sagte er, „aber ich bin davon überzeugt, dass die Euroleague-Mannschaften irgendwann aus den nationalen Ligen aussteigen. Weil das auf die Dauer nicht mehr zu stemmen ist.“

Wobei die Zukunft des besten deutschen Centers übrigens durchaus auch in der Heimat liegen könnte. „Deutschland ist mein Land“, betonte er, „ich kann mir schon vorstellen, irgendwann wieder dort zu spielen.“ Die Entwicklung des heutigen Gegners FC Bayern hat er verfolgt. Man ahnt: Würden deren Geschäftsführer Marko Pesic oder Sportchef Daniele Baiesi bei ihm vorsprechen – sie wären gewiss nicht chancenlos.

Bis auf Weiteres allerdings hat Johannes Voigtmann anderes im Blick. Er will nichts unversucht lassen um mit Vitoria-Gasteiz irgendwie die Playoffs der Euroleague zu erreichen. Die Begegnungen auf der Straße wären dann bestimmt freundlich.

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