Transfer während des Spiels

Irrwitziger als jedes Drehbuch

von Redaktion

MARC BEYER

Brad Pitt hat vor ein paar Jahren den sehenswerten Film „Moneyball“ gedreht, in dem er den Baseball-Manager Billy Beane spielt. An manchen Stellen mag das Werk die realen Verhältnisse überspitzt darstellen, dennoch gewährt es interessante Einblicke in eine Branche, die selbst nach den großzügigen Maßstäben des Spitzensports grenzwertig mit ihrem Personal umgeht. Transfers sind bei „Moneyball“ nur eine Frage weniger Telefonate. Und der Spieler erfährt als Allerletzter davon.

Im echten Leben gibt es nun einen Fall, den sich kein Drehbuchautor so ausgedacht hätte – aus Angst, sein Produzent könne die Idee als irrwitzig ablehnen. Der Basketballer Harrison Barnes, Dirk Nowitzkis Kollege bei den Dallas Mavericks, wurde mitten in einem NBA-Spiel über seinen sofortigen Umzug nach Sacramento informiert. Drei Viertel war er ein Maverick, im vierten nur noch ein Zuschauer mit besonders gutem Platz.

Selbst langgediente NBA-Akteure sind pikiert. Nowitzki würdigte Barnes als besonderen Profi, schließlich wäre jeder andere in so einem Moment aus der Halle gestürmt, statt die Kollegen weiter anzufeuern. Dieses Verhalten ist tatsächlich bewundernswert, zeigt aber vor allem, wie viel dem Spieler die Mavericks bedeuten. Und wie wenig er einen Transfer angestrebt hatte.

Wie würde ein leicht entzündlicher Charakter wie Franck Ribery reagieren, wenn er zur Halbzeitpause erführe, ab sofort das Trikot der TSG Hoffenheim zu tragen? Verglichen mit der NBA, wo sich Dallas’ Trainer gerade „wie im Zoo“ fühlt, geht es im Fußball fast noch gesittet zu. Gut, manchmal scheitert ein Umzug daran, dass im entscheidenden Moment ein Fax-Gerät streikt (Choupo-Moting/HSV). Oder die Unterlagen werden 14 Sekunden zu spät eingereicht (Silva/Sporting Lissabon). Aber das sind Kleinigkeiten. Auch einen Vertrag gegen Vereinswiderstände zu erfüllen, ist prinzipiell möglich, wenngleich nicht immer ratsam. Manchmal endet der Spieler auf der Tribüne oder in einer Trainingsgruppe B.

Dass gestern das Transferfenster in der NBA schloss, gibt dem Vorgang einen etwas plausibleren Rahmen, macht ihn im Detail aber keinen Deut besser. Die ohnehin krassen Verhältnisse des US-Sports sind ins Exzess gesteigert worden, offensichtlicher wurde noch nie ein Athlet zur Verhandlungsmasse degradiert. Es mag eine kleine, tröstliche Pointe sein, dass Barnes bei den Sacramento Kings künftig nun einige Millionen mehr verdienen kann und sich die Mavericks im Etat den nötigen Spielraum für Kaderveränderungen erarbeitet haben. Aber das hätte der Club auch zivilisierter hinkriegen können. Nach dem vierten Viertel.

marc.beyer@ovb.net

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