Are – Die größte Alpin-Kompetenz, wer will daran zweifeln, liegt bei den Österreichern. Aber es gibt auch noch andere Nationen, die ganz gut Ski-Großereignisse ausrichten können. Are zum Beispiel, der Ort in Mittelschweden, zeigt dies im Moment nach 1954 und 2007 bereits zum dritten Mal und beweist auch diesmal, mit sehr hohen Anforderungen prima zurechtzukommen.
Anfang März findet in der Region gleich die nächste Großveranstaltung statt – die Biathlon-WM im knapp 100 Kilometer entfernten Östersund. Der OK-Chef von Are, Niklas Carlsson, bezeichnete diese geballten Titelkämpfe als Mini-Olympia – und damit als Testlauf für eine schwedische Bewerbung um die Winterspiele 2026.
Kandidat ist offiziell die Hauptstadt Stockholm. Allerdings sieht das Konzept eine Verteilung der Sportarten nicht nur über fast ganz Mittelschweden vor, sondern auch die Eisrinne von Sigulda in Lettland ist mit einbezogen. Einer der olympischen Gedanken geht damit allerdings verloren, nämlich, ein großes Sportfest an einem Ort zu veranstalten.
Einen ähnlichen Weg wie Stockholm beschreitet auch der zweite Bewerber für 2026, Mailand. Die Italiener gehen sogar mit dem verwegenen Plan von zwei verschiedenen alpinen Austragungsstätten ins Rennen. Die Frauenwettbewerbe sollen in Cortina d’Ampezzo stattfinden, die Männer würden im fünf Stunden entfernten Bormio fahren – eine wohl kaum zu realisierende logistische Herausforderung.
Womöglich ist das Konzept, die Orte mit der Kompetenz für einzelne Sportarten und vor allem den entsprechenden Wettkampfstätten einzubeziehen, aber dafür eine größere Entfernung in Kauf zu nehmen, sogar die einzige Lösung, um sowohl die Umweltzerstörung einzudämmen und für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen, als auch wieder klassische Wintersportregionen für eine Olympia-Bewerbung gewinnen zu können.
Der Präsident des Internationalen Skiverbandes, Gian Franco Kasper, hat vor ein paar Tagen mit seiner Aussage, dass es in Diktaturen einfacher sei, Olympische Spiele auszutragen, für Aufregung gesorgt – und entschuldigte sich dafür nun. Diese Formulierung sei zwar nicht wörtlich zu nehmen, heißt es in einer auf der FIS-Seite veröffentlichten Erklärung. Aber er übernehme die volle Verantwortung „für dieses Missverständnis“. Am Rande der Ski-WM äußerte sich Kasper ein wenig diplomatischer als zuvor im Interview mit dem Schweizer „Tagesanzeiger“. Das Problem in demokratischen Ländern seien die Volksentscheide, sagte er: „Wenn man die Zustimmung der Bevölkerung braucht, ist nichts mehr zu holen.“
Veranstalter für alpine Titelkämpfe zu finden, sei dagegen kein Problem, sagt Kasper: „Es gibt immer genügend Kandidaten, wenngleich es nicht mehr so viele sind wie früher.“ Auch da steigen die Kosten, aber der finanzielle Aufwand ist im Vergleich zu Winterspielen überschaubar – und, wie Peter Fischer, Chef des Organisationskomitees der WM von 2011 und der Weltcup-Rennen in Garmisch-Partenkirchen, meint: „Die Investition lohnt sich.“ Die Gemeinde habe jedenfalls stark profitiert von den Titelkämpfen vor acht Jahren. Die jährlichen Übernachtungszahlen seien von damals 1,2 Millionen auf nun 1,5 Millionen gestiegen. „Ob das nur an der WM liegt, kann man natürlich nicht sagen, aber sicher auch“, sagt der OK-Chef.
Als sich Fischer und sein Team für eine Bewerbung um die Ski-WM 2025 entschieden, sprach sich auch der Gemeinderat mit nur einer Gegenstimme dafür aus. Die Bevölkerung, sagte Fischer, stehe ebenso dahinter – ganz anders als bei der Münchner Olympiabewerbung 2018. Damals regte sich im Werdenfelser Land großer Widerstand, vor allem wegen massiver Eingriffe in die Umwelt. Die sind vor einer möglichen WM 2025 nicht zu befürchten.