Seidenberg muss zuschauen

von Redaktion

Wegen einer Aktion im CHL-Finale für drei Spiele gesperrt

Göteborg – Aller Voraussicht nach wird der EHC München auch kommende Saison wieder in der Champions Hockey League (CHL) antreten – die ersten drei Spiele dann aber ohne Yannic Seidenberg. Der Verteidiger wurde von der Disziplinarkommission der CHL für seine nächsten drei Spielgelegenheiten gesperrt. Nachträgliche Ahndung einer Aktion im zweiten Drittel des Finales, das die Münchner bei Frölunda Göteborg am Dienstag 1:3 verloren hatten.

Seidenberg bekam für seinen „Check gegen den Kopf“ des Göteborgers Rhett Rakhshani (bei Spielstand von 2:0 für Frölunda in der 34. Minute) zwar nur eine Zwei-plus-zwei-Minuten-Strafe, hatte aber, wie er hinterher bekannte, ein ungutes Gefühl „aufgrund der Reaktion des Publikums“. Hinterher schaute er sich die Szene auf einem Bildschirm an und musste einräumen, dass seine Aktion nicht gut rüberkommt: „Dadurch, dass er meine Größe hat, erwische ich ihn auch so.“ Zu seiner Verteidigung sagte Seidenberg nur so viel: „Es war keine Absicht.“

In der DEL wäre er – selbst wenn das Foul mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe geahndet worden wäre – ohne Suspendierung davongekommen. Im deutschen Eishockey ist die Linie, der Disziplinarchef Tino Boos folgt, das große Aufregerthema. Selbst bei brutalsten Aktionen hat Boos das Verfahren eingestellt – und ist damit zum Anwalt der Täter geworden.

In der CHL geht man da anders vor. Die Szene mit Seidenberg wurde in einem Video aufgeschlüsselt. Es wurde bemerkt, dass der Münchner seine Laufrichtung änderte, um einen Check anzubringen, dass er die Hand vom Schläger nimmt, um direkten und maximalen Kontakt mit dem Kopf des Gegenspielers zu erzielen. Und da er aus einer Richtung kam, aus der Rakhshani eine Attacke nicht zwingend erwarten musste, hätte Seidenberg den Kontakt mit dem Kopf unterlassen müssen. Für Rakhshani war das Match vorbei, er musste in die Kabine geführt werden und kehrte in der Folgezeit auch nicht mehr aufs Eis zurück.

Vermeidbarer Kontakt, gefährliche Rücksichtslosigkeit, so urteilte das CHL-Board. Berücksichtigt wurde, dass Seidenberg sich zuvor in der Königsklasse nichts hatte zuschulden kommen lassen und Ersttäter war – sonst hätte die Liga sicher eine noch längere Sperre ausgesprochen. GÜNTER KLEIN

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