Flamengo in Erklärungsnot

von Redaktion

Vorwürfe an den Club nach der Feuer-Tragödie in Rio

Rio de Janeiro – Nach der furchtbaren Brand-Tragödie am Freitag mit zehn toten Nachwuchsfußballern gerät der brasilianische Club CR Flamengo aus Rio de Janeiro immer mehr in Erklärungsnot. Mittlerweile deutet alles darauf hin, dass Spannungsschwankungen zu einem Kurzschluss in einer Klimaanlage der Schlafcontainer im eigentlich modernen Trainings-Camp Ninho de Urubu geführt haben.

Der Traditionsclub konnte aber auch am Wochenende keine Erklärung dafür liefern, warum das Gelände, in das laut heimischen Medien umgerechnet rund neun Millionen Euro investiert wurden, bei der Stadtverwaltung lediglich als Parkplatz ausgewiesen war. „Es war kein Anbau, den wir versteckt haben. Es war dort behaglich und angemessen“, verteidigte sich Geschäftsführer Reinaldo Belotti am Samstag lediglich, ließ in seinem Statement aber wie schon am Tag zuvor der Clubpräsident Rodolfo Landim keine Nachfragen zu.

Das „tragische Unglück“ sei nicht aufgrund „fehlender Vorbeugung oder Vorsichtsmaßnahmen“ von Seiten des Klub geschehen. „Sie sind doch unser größtes Vermögen“, sagte Belotti angesichts der Opfer zwischen 14 und 16 Jahren.

Laut Belotti sind in dem Container-Komplex 60 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren untergebracht. Wegen Ferien und Trainings-Absagen aufgrund des verheerenden Unwetters, das am vergangenen Mittwoch Rio heimsuchte, verbrachten jedoch nur 26 Nachwuchsfußballer die Unglücksnacht in den Etagenbetten der Schlafboxen. Weil die Flammen sich in nur knapp zehn Minuten ausgebreitet hatten, werfen auch Baumaterial und der Brandschutz des betroffenen Gebäudes bislang noch ungeklärte Fragen auf.

Von den drei verletzt geborgenen Nachwuchsspielern ist die Situation von Jhonata Ventura noch kritisch. Mit schwersten Verbrennungen und Lungenschäden aufgrund des eingeatmeten Rauches muss der Verteidiger zwar nicht mehr im künstlichen Koma liegen, ist aber durch eine Sedierung ruhiggestellt. Alle Überlebenden bekommen von Flamengo einen Psychologen zur Traumatherapie an die Seite gestellt.

Laut der Stadtregierung von Rio wird nun „ein Prozess, der die Verantwortbarkeiten ermittelt“, in Gang gesetzt. Wegen fehlender Lizenzen war der club bereits zuvor rund 30 Mal angezeigt worden, das Trainingsgelände daraufhin gar im Oktober 2017 kurzfristig gesperrt worden.  sid

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