Oberhof – Als Olympiasiegerin und Weltmeisterin war Natalie Geisenberger nach Oberhof gereist, mit EM-Gold in der Tasche verließ sie die Bahn am Rande des Thüringer Waldes – und in zwei Wochen wird sie wohl zum siebten Mal in Serie den Gesamtweltcupsieg bejubeln. Die beste Rodlerin der Welt hat nach den Heim-Europameisterschaften wieder alle wichtigen Titel ihres Sports inne und drückt der nacholympischen Saison ihren Stempel auf. Beim deutschen Dreifachsieg am Sonntag fuhr die 31-Jährige erneut in einer eigenen Liga, Silber und Bronze gingen an Rekordweltmeisterin Tatjana Hüfner und die Olympia-Zweite Dajana Eitberger. Die Leistung der Frauen stand damit im krassen Gegensatz zum Ergebnis des Männerrennens am Vortag, in dem Weltmeister Felix Loch erstmals seit neun Jahren den Oberhof-Sieg verpasste.
„Natalie ist die herausragende Athletin“, sagte Bundestrainer Norbert Loch mit Blick auf Geisenbergers anhaltenden Erfolg der vergangenen Jahre: „Wir hatten auch früher schon großartige Rodlerinnen, aber sie setzt mit diesen Olympiasiegen, den WM-Erfolgen und den Weltcupsiegen in dieser Konstanz nochmal einen drauf.“
Die Rennen um die EM-Medaillen war integriert in den achten Weltcup des Winters, und beim Saisonfinale in Sotschi (23./24. Februar) ist Geisenberger die siebte Kristallkugel für die Gesamtsiegerin nur noch theoretisch zu nehmen. Das liegt auch an den Problemen von Julia Taubitz in Oberhof. Geisenbergers einzig verbliebene Konkurrentin kam nach einem schwachen ersten Lauf nicht über Platz fünf hinaus. Geisenberger hat nun 176 Zähler Vorsprung, noch 200 Punkte sind auf der russischen Olympiabahn von 2014 zu gewinnen. Mit der Teamstaffel verpasste die Miesbacherin zum Abschluss auf Rang zwei einen weiteren EM-Titel, der Sieg ging an Italien.
Für eine herbe Enttäuschung hatten am Samstag die deutschen Männer gesorgt. Loch wurde nur Siebter, damit verließ er Oberhof erstmals seit 2010 nicht als Sieger. „Die anderen sind besser gefahren und haben ihre Schlitten besser abgestimmt. So reicht es eben nicht für weiter vorne“, sagte er.
Alter und neuer Europameister ist der Russe Semen Pawlitschenko. Bester Deutscher war der Olympia-Dritte Johannes Ludwig, der als Fünfter zumindest seine Führung im Gesamtklassement hielt. „Unsere Männer sind momentan nicht stabil genug“, sagte Bundestrainer Loch: Wir müssen uns über Fahrweise, über Schlittentechnik und -material Gedanken machen, um in diesem starken Männerfeld oben zu bleiben.“
Bei den Doppelsitzern immerhin gewannen die Olympiasieger Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee) vor den Weltmeistern Toni Eggert/Sascha Benecken (Ilsenburg/Suhl) und sind damit zum dritten Mal Europameister. sid