Nur ein bisschen Pathos

von Redaktion

Lindsey Vonn überrascht mit Platz drei – Deutsche Bilanz „ernüchternd“

Are – Es war keine große Überraschung, dass Lindsey Vonn ihren letzten Auftritt noch einmal auskostete. Die kleine Siegerehrung im Stadion, die sogenannte Blumenzeremonie nach der Abfahrt bei der Ski-WM in Are, war gestern längst vorbei, Ilka Stuhec aus Slowenien, die wie vor zwei Jahren in St. Moritz Gold holte, und die zweitplatzierte Schweizerin Corinne Suter hatten bereits den Platz geräumt, als Vonn aufdrehte. Erstaunlich war dagegen, dass die Amerikanerin zuvor bereits sportlich eine Show geboten und Bronze in ihrem letzten Rennen gewonnen hat. „Ich bin mit Herz gefahren und habe viel riskiert“, sagte die 34-Jährige.

Aufzuhören mit einer Medaille, das hatten ihr bei diesen Titelkämpfen nicht mehr viele zugetraut, aber Vonn bewies, dass sie es nicht nur jenseits der Piste versteht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sondern dass sie eben eine der Größten des Alpinsports ist, noch immer. Mit Olympiasiegerin Sofia Goggia, die als eine der großen Favoritinnen leer ausging, Teamkolleginnen, der schwedischen Ski-Legende Ingemar Stenmark – und natürlich Hündchen Lucy, das in ein pinkfarbenes Mäntelchen gehüllt war, feierte Vonn noch lange im Zielraum.

Als die Amerikanerin mit Bestzeit im Ziel abschwang, schien sie zunächst vor allem erleichtert und froh, dieses Mal unfallfrei den Berg hinuntergekommen zu sein, sie winkte ins Publikum und verbeugte sich. Es war auf jeden Fall ein versöhnliches Ende, so viel stand schon fest. Sie habe vor dem Rennen mit sehr vielen Emotionen zu kämpfen gehabt, „aber schließlich habe ich diesen Kampf gewonnen“, erzählte Vonn später. Ohne Pathos ging es bei ihr auch am letzten Tag nicht. „Ich würde gerne weinen, aber es ist nichts mehr übrig“, sagte sie. „Ich habe zuletzt so viel geweint, ich bin ausgetrocknet.“

Ein paar Meter weiter wartete schon Stenmark mit einem Blumenstrauß. Er war extra wegen Vonn einen Tag früher als geplant nach Are gekommen. Seinen Rekord von 86 Weltcup-Siegen verpasste die Amerikanerin zwar um vier Erfolge, aber dafür schnappte sie sich am Ende noch zwei andere Bestmarken. Vonn ist die älteste Medaillengewinnerin bei einer alpinen Ski-WM, bisher war dies Veronika Velez-Zuzulova, die 2017 mit 32 Silber im Teamwettbewerb gewann, außerdem holte sie nun genauso oft Edelmetall in der Abfahrt bei Titelkämpfen wie einst die deutsche Ski-Legende Christl Cranz.

Vonn durfte ein paar Minuten auf dem Stuhl der Führenden sitzen bleiben, dann verdrängte sie Stuhec, die eine fast eine ebenso rührende Geschichte schrieb mit der Titelverteidigung ein gutes Jahr nach einem Kreuzbandriss. Die Konkurrenz zollte jener Skirennläuferin, die den Frauen-Skirennsport prägte und ihn viele Jahre auch dominiert hatte, Respekt. „Beeindruckend“, fand Kira Weidle aus Starnberg. „Es passt zu ihrer Karriere, sie hat bis zum letzten Rennen gekämpft. Einfach nur Chapeau.“ Rebensburg, sank vor Vonn auf die Knie.

Die deutschen Abfahrerinnen hatten nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun. Rebensburg, die Lenggrieserin Michaela Wenig und Medaillenanwärterin Weidle landeten auf den Plätzen elf bis dreizehn. „Ich bin sehr ernüchtert“, sagte Alpinchef Wolfgang Maier, „aber ich werde nicht das Messer rausholen, es ist keine schlecht Ski gefahren.“  es

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