Mit dem Brot ist es so eine Sache im Ausland – meist keine gute. Auch Schweden ist da keine Ausnahme. Im Regal des Supermarkts von Are liegen etwas labberige, in Folie eingeschweißte Brotlaibe, die so geschmacksneutral sind wie befürchtet – und zwei Tage später auch noch hart wie ein Stein. Der Tipp mit der Bäckerei kam vom Chef des Caterings im Tirolberg, der österreichischen Vertretung bei Ski-Weltmeisterschaften. Aber nicht jede, ließ er wissen, es müsse jene kurz vor dem Ortsende sein. Die Are Bageri scheint von außen zwar weniger eine Bäckerei zu sein als vielmehr ein urgemütliches Café, aber drinnen gibt es eine riesige Brottheke. Italienisches Ciabatta liegt neben gesundem Vollkornbrot, und sogar Sauerteigbrote sind im Angebot. Dafür rühmt sich die Are Bageri besonders und exportiert es laut Homepage sogar in andere Landesteile.
Nun ist der Nachteil der Are Bageri, dass es dort nicht nur leckeres Brot, sondern auch leckeres Kleingebäck gibt, und da vor allem Kanelbullar, Zimtschnecken. Die gehören in Schweden zu jedem Kaffeekränzchen. Ein alter Brauch besagt, dass man als Gast zuerst von einem dieser üppigen Hefeteilchen zu nehmen hat, ehe man sich über die Torten und Kekse am Tisch hermacht.
Die Kanelbullar der Are Bageri sind die Besten in der Region – und das hat sich auch bei den Athleten herumgesprochen. Die Schweizerin Lara Gut-Behrami wurde dort schon gesichtet, und am Samstag spazierte Viktoria Rebensburg mit der unverwechselbaren, altmodischen Papiertüte der Bäckerei durch den Ort hinaus ins deutsche Quartier neben der Rennstrecke. Von der Riesenslalom-Olympiasiegerin 2010 gab es einen Insider-Tipp. „Unbedingt die Kanelbullar mit Kardamom nehmen“, sagte sie. „Das sind die besten.“ Als ob man dies nach sechs Tagen in Are nicht schon längst gewusst hätte.
Elisabeth Schlammerl