Inzell – Ein Drama um Patrick Beckert, viel Wirbel um Claudia Pechstein – und mal wieder keine Medaillen. Die deutschen Eisschnellläufer haben ein Jahr nach den enttäuschenden Olympischen Winterspielen in Pyeongchang und einem Weltcup-Winter ohne Podestplatzierungen auch bei der turbulenten Heim-WM in Inzell kein Edelmetall gewonnen. Bei den Einzelstrecken-Meisterschaften in Oberbayern war das Zustandekommen der Negativbilanz allerdings unglücklicher als 2018 in Südkorea.
Bei den deutschen Top-Athleten und den Verantwortlichen der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) fiel das Fazit der Titelkämpfe auch wegen diverser persönlicher Bestzeiten insgesamt positiv aus. „Man darf nicht immer nur an Medaillen messen. Es ist nicht schlecht, wenn man Vierter oder Fünfter wird“, sagte DESG-Präsidentin Stefanie Teeuwen: „Klar waren Medaillen anvisiert, ein oder zwei wären realistisch gewesen. Aber es hat nicht sein sollen. Das heißt nicht, dass wir schlecht sind.“
Teeuwen hob die Top-10-Platzierungen im Teamsprint der Männer (4.), von Pechstein (5000 m/7.), Nico Ihle (1000 m/8.) und Felix Maly (Massenstart/10.), besonders aber den bitteren vierten Rang vom Langstrecken-Spezialisten Beckert über 10 000 m hervor. Zwei Tausendstelsekunden fehlten dem Erfurter zu Bronze. Im Herzschlagfinale auf der längsten Einzeldistanz hatte Beckert das unglücklichere Ende für sich.
Nach 12:57,402 Minuten stoppte die Uhr bei Beckert, der im vorletzten Paar gestartet war und zwischenzeitlich Rang zwei belegte. Im letzten Duell schoben sich aber der Niederländer Patrick Roest auf Rang zwei (12:53,34) und der Russe Danila Semerikow (12:57,400) als Dritter noch an Beckert vorbei.
„Zwei Tausendstel über zehn Kilometer – keine Ahnung, was ich da sagen soll. Manchmal ist so der Sport“, sagte Beckert, der den ersten Schock schnell verdaute und das Ergebnis sachlich analysierte: „Klar ist es ganz bitter, aber es war ein Riesenlauf von mir. Ich habe alles gegeben.“ Die Gold-Zeit von Sotschi-Olympiasieger Jorrit Bergsma (Niederlande/ 12:52,93) war für Beckert ohnehin außer Reichweite.
Keine Chance auf das Podest hatte auch Pechstein. Nach dem Wirbel um ihre Teilabsage verkaufte sich die fünfmalige Olympiasiegerin bei ihrem ersten Einsatz dennoch gut. Die 46-Jährige aus Berlin beendete die längste Frauendistanz über 5000 m in 7:00,90 Minuten und belegte im zwölfköpfigen Starterfeld den siebten Rang.
„Ich bin damit sehr zufrieden. Hätte ich den Lauf heute nicht gemacht, dann hätte ich wahrscheinlich aufgehört“, sagte Pechstein: „Dass ich überhaupt angetreten bin, ist für mich unter den gegebenen Umständen ein Sieg. Ich bin stolz auf mich.“
Den Kampf um die Medaillen führten andere Läuferinnen– mit dem besten Ausgang für die Tschechin Martina Sablikova (6:44,85). Pechstein war in Inzell ursprünglich für vier Starts eingeplant gewesen. Auf die Rennen über 3000 m am Donnerstag sowie in der Teamverfolgung am Freitag hatte sie aber kurzfristig verzichtet. Im Massenstart am Sonntag belegte sie den zwölften Rang. Ihr letztes WM-Rennen soll es nicht gewesen sein. „Ich laufe weiter“, sagte sie.
Positive Nachrichten für den Verband hatte auch Sprinter Nico Ihle, für den sich der Traum von einer Medaille am Samstag über 1000 m endgültig zerschlug. Der Chemnitzer belegte in persönlicher Saisonbestleistung von 1:08,40 Minuten den achten Platz. Joel Dufter (Inzell) als zweiter deutscher Starter wurde in 1:08,66 Minuten Elfter. „Ich mache weiter“, sagte Ihle, der als bester deutscher Sprinter eine der wenigen Säulen in der Spitze der DESG ist.