Gegen München niemals zaubern!

von Redaktion

DEL hat sich kurz vor den Playoffs sortiert, EHC und Mannheim sind weit voraus

VON GÜNTER KLEIN

München – „Die Liga ist dieses Jahr noch enger als im letzten. Es kann wirklich jeder jeden schlagen.“ Auch 2018/19 war dieser Satz aus Sportdirektoren- und Trainermund verlässlich zu vernehmen, meist – so ist das in der nordamerikanisch geprägten Deutschen Eishockey-Liga (DEL) – mit englischem Akzept.

Noch sieben Spieltage stehen in der Hauptrunde an, die ab Mittwoch nach der Länderspielpause wieder in Betrieb geht – Anlass, die These zu hinterfragen: Ist die DEL wirklich noch leistunsdichter geworden, als sie es vor einem Jahr war, vor zwei, vor drei?

Nein. Zumindest gilt nur ein Teil der Aussage: Dass jeder jeden schlagen kann und somit das Spitzenteam auch verlieren gegen eine Mannschaft von unten. Mannheim, dem Tabellenführer, ist es widerfahren, zweimal in Folge gegen das jeweilige Schlusslicht zu verlieren (erst Schwenningen, das durch den Sieg vorübergehend nicht mehr 14. war, dann Wolfsburg), auch München hatte seine Aussetzer gegen die Schwenninger Wild Wings, den aktuell wieder Letzten.

Trotz aller Pannen: Adler Mannheim und Meister EHC München sind dem Feld weit voraus. Einen so klaren Ersten und Zweiten gab es schon lange nicht mehr. Harold Kreis, Trainer der Düsseldorfer EG, die Vierter ist, meint: „Mannheim und München sind so stark, du darfst gegen sie nie versuchen, etwas Besonderes zu machen und zu zaubern. Du musst manchmal einfach nur die Scheibe dreckig raushauen.“ Es wäre nicht verwunderlich, sondern nur konsequent, sollte es in ein paar Wochen zur Finalserie zwischen den Finanz- und Kaderschwergewichten kommen.

Es geht jetzt noch um de Plätze drei bis sechs, Köln, Düsseldorf, Ingolstadt, Augsburg sind fast gleichauf, natürlich auch um die Absicherung. Doch Bremerhaven und Straubing haben als Siebter und Achter schon etwas Abstand; Nürnberg und Berlin müssen nach missratener Saison einsehen, dass es zu nicht mehr reicht als den Pre-Playoffs und der Hoffnung, von dort aus zu zünden. Krefeld (Elfter) darf noch auf Rang zehn und Berlin schielen, doch der Abwärtstrend der Pinguine ist offenkundig.

Eigentlich hat sich das Feld entgegen der Theorie von der Enge früh sortiert. Zum Beispiel haben die Augsburger Panther als Überraschungs-Sechster schon so viele Punkte, dass, wenn sie keinen einzigen mehr holten, dennoch in den Pre-Playoffs wären. Und beim EHC München ist es gar schon sicher, dass er im Playoff-Viertelfinale steht. Auf Rang sieben könnte er nicht mehr abrutschen.

Nicht alle Prognosen für diese Saison haben gestimmt. Berlin und Nürnberg als harte Konkurrenten für Mannheim und München – von wegen. Straubing und Iserlohn als voraussichtliche Overperformer – kann man allenfalls bei den Tigers aus Niederbayern durchgehen lassen. Wolfsburg indes ist der Verlierer der Saison. Dort glückte der Umbruch nach fast einem Jahrzehnt unter Zuchtmeister Pavel Gross (jetzt Mannheim) nicht. Es wird umgehend der nächste Umbruch folgen.

Die ersten Spielerverpflichtungen fürs kommende Jahr sind bereits getätigt, Mannheim (holt die Nationalspieler Björn Krupp und Lean Bergmann) geht sehr offensiv vor. In den kommenden Tagen wird es noch einige Transfers auf den letzten Drücker geben. Mit ausländischem Personal für die Playoffs. Torhüter zur Absicherung, falls eine Stammkraft sich verletzen sollte, sind sehr gefragt, auch Feldspieler aus Russland, Schweden, Finnland, die in ihren Ligen die Playoffs nicht erreichen, aber noch ein Weilchen weiterspielen wollen.

Personalien, die zumindest die Playoffs eng machen könnten. Dann geht die Saison richtig los.

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