Are – Am Ende konnte Marco Schwarz schon wieder ein kleines bisschen lächeln, immerhin war seine Sorge unberechtigt. Eine knappe halbe Stunde davor hatte der Österreicher seinen Ärger an den Skistöcken ausgelassen, sie mit beiden Händen unsanft gebogen, weil er nach der Zieleinfahrt in Kombinationsslalom nur Dritter gewesen war – und die Schnellsten nach der Abfahrt noch oben standen. Aber am Ende blieb es beim Bronze-Rang hinter dem neuen Weltmeister Alexis Pinturault aus Frankreich und dem Slowenen Stefan Hadalin.
Schwarz, Sieger der einzigen Kombination des Winters am Lauberhorn in Wengen und damit der Favorit beim WM-Rennen in dieser Disziplin, war aber in Are nicht angetreten, um Bronze zu gewinnen, sondern um Weltmeister zu werden. Es wäre der erste Titel für Österreich gewesen. Nach sechs Wettbewerben liegt das Land der Berge im Medaillenspiegel abgeschlagen auf Platz sieben.
Die Österreicher sind in diesen Tagen oft bei der Siegerehrung dabei, aber meist müssen sie zuschauen, wie andere Athleten Edelmetall umgehängt bekommen. Vincent Kriechmayr hatte in der ersten Woche für die einzigen beiden Medaillen gesorgt – mit Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt. Für die erfolgsverwöhnte Ski-Großmacht ist diese Ausbeute zu wenig. Mehr noch als jedem anderen Gold trauert sie dem Sieg in der Königsdisziplin nach, wieder einmal. Seit acht Titelkämpfen wartet Österreich auf einen Abfahrtsweltmeister, das letzte Gold holte Michael Walchhofer vor 16 Jahren in St. Moritz.
Das Abschneiden hier in Are bestätigt einen Trend in beiden schnellen Disziplinen. Nach 2003, als die Österreicher beide Goldmedaillen gewannen, gab es nur noch einen WM-Sieg (Hannes Reichelt 2015 im Super-G). Auch im Weltcup ist die Mannschaft schon lange nicht mehr dominant, übertüncht wird die Bilanz nur durch die Olympiasiege von Matthias Mayer 2014 und 2018. In dieser Weltcup-Saison gab es zwar drei Siege für die Österreicher, zwei davon allerdings durch Max Franz, der in Schweden aber wegen eines Fersenbruchs fehlt. Für den dritten Erfolg sorgte Kriechmayr in Wengen. Er war neben Schwarz bisher auch der einzige in Are, der die hohen Erwartungen erfüllte.
Noch größer als bei den Männern ist der Frust in der Frauen-Mannschaft. Sie hatte die schnellen Disziplinen in dieser Weltcup-Saison dominiert, nur bei einer Weltcup-Abfahrt bis zur WM war keine Österreicherin ganz oben auf dem Podest gestanden. In Gröden hatte Ilka Stuhec gewonnen. Die Slowenin kam mit der Rolle der Medaillenkandidatin besser zurecht als die Frauen von Cheftrainer Jürgen Kriechbaum. Sie verteidigte ihren Titel von St. Moritz.
„Was wir in dieser Weltcup-Saison erreicht haben, ist megagut“, sagte Stephanie Venier nach ihrem vierten Platz in der Abfahrt, „und die WM ist nicht alles im Leben.“ Kriechbaum sah „die eine oder andere Kleinigkeit, die einfach nicht zu hundert Prozent gepasst hat. Und vielleicht auch die letzte Abgebrühtheit, die du auch brauchst, um das rüberzubringen“. Seine Athletinnen hätten sich im Weltcup in die Favoritenrolle für die WM gehievt, aber „dann muss man auch cool bleiben und die Leistung abrufen. Das ist nicht ganz so geglückt.”
Während die Männer fast sicher sein können, dass die Bilanz in den letzten Tagen von Are noch aufgehübscht wird, dank Marcel Hirscher, der als Favorit im Riesenslalom und Slalom an den Start geht, müssen sich die Frauen darauf einstellen, zum ersten Mal seit 1982 bei einer WM leer auszugehen. Im Slalom haben Katharina Liensberger und Bernadette Schild mit jenem Podestplatz nur Außenseiterchancen. Und im Riesenslalom fehlt in Stephanie Brunner (Kreuzbandriss) eine der Besten in dieser Disziplin. „Die Stimmung“, sagte die Super-G-Weltmeisterin von 2017, Nicole Schmidhofer, „ist am Boden.“