Are – Ein paar Minuten lang hatte es so ausgesehen, als ob vielleicht doch eine Überraschung möglich wäre bei der gestrigen WM-Kombination. Linus Straßer fuhr beim Slalom am Nachmittag nicht Bestzeit, aber beendete endlich einmal wieder einen Lauf, mit einer soliden Leistung auf einer noch sehr guten Piste. Doch der Rückstand nach Platz 29 in der Abfahrt ein paar Stunden zuvor war dann doch zu groß. Am Ende fuhr nicht nur der Slowene Stefan Hadalin, der mit Bestzeit im zweiten Teil des Wettbewerbs Silber holte, schneller, sondern noch drei andere. Auf den neuen Kombinations-Weltmeister Alexis Pinturault aus Frankreich fehlten Straßer schließlich 0.80 Sekunden, auf den Bronze.Platz des Österreichers Marco Schwarz waren es noch 0,34 Sekunden. „Das ist ein gutes Ergebnis“, findet der Münchner, „aber leider keine Medaille.“
Der Deutsche Skiverband ist bei diesen Titelkämpfen oft vorne dabei, aber eben nicht ganz vorne, auf dem Podest. Nach Platz vier und sechs von Viktoria Rebensburg und Josef Ferstl in den beiden Super-G-Rennen in der vergangenen Woche hat nun auch Straßer eine Einladung zur Siegerehrung auf dem Dorfplatz von Are erhalten. „Hätte mir vorher jemand gesagt, du kannst Fünfter werden, hätte ich gesagt: Ja, cool“, erzählte der 26-Jährige vom TSV 1860. Er erreichte in diesem Weltcup-Winter bisher in keinem Slalom, seiner Spezialdisziplin, das Finale, entweder er fuhr zu langsam oder er schied aus.
Straßer war vor allem mit Blick auf den heute stattfindenden Teamwettbewerb nach Schweden mitgenommen worden. Die Platzierung hat seine Nominierung trotz fehlender Qualifikationskriterien gerechtfertigt. Dass ihm im Slalom zwar noch kein perfekter, aber wieder ein ordentlicher Lauf gelang, ist vielleicht weniger das Ergebnis intensives Torlauf-Trainings, sondern vielmehr einem kurzfristigen Disziplin-Wechsel geschuldet. Straßer bestritt in Are die Spezialabfahrt, in erster Linie um das Rennen als zusätzlichen Trainingslauf für die Kombination zu nehmen, doch damit habe er auch ein bisschen den Kopf freibekommen, findet er. „Ich habe dadurch wieder ein ganz gutes Skigefühl gefunden, das stimmt mich sehr positiv.“
Und nebenbei hat er, haben die Trainer festgestellt, dass Straßer auch für die schnellen Disziplinen Talent besitzt. Einen Wechsel zu den Abfahrern schließt er aber aus – vorerst. „Da muss es im Slalom schon ganz schlecht gehen.“ Nach seinem 37. Platz am Samstag, bei dem er nicht viel langsamer war als einige Top-30-Abfahrer, machte sich Straßer insgeheim die Hoffnung, um eine Kombinationsmedaille mitfahren zu können, wusste aber: „Wenn mir nicht voll einer aufgeht, dann wird es einfach eng.“
Die nächste Medaillenchance gibt es im Teamevent, bei dem Straßer zusammen mit dem zwei Jahre jüngeren WM-Debütanten Anton Tremmel sowie Lena Dürr und Christina Geiger in der ersten Runde auf England trifft. „Mit der Mannschaft können wir relativ weit kommen“, ist sich Straßer sicher. „Man darf uns nicht abschreiben.“ es