Licht und Schatten in Are

Zu viele Mickey- Mouse-Rennen

von Redaktion

ELISABETH SCHLAMMERL

Der Eindruck nach einer Woche Ski-WM ist nicht der beste. An den Schweden liegt es nicht. Sie sind freundlich, hilfsbereit und ein faires Publikum. Eine ausgelassene Stimmung herrscht zwar nicht, alles andere würde auch nicht der skandinavischen Mentalität entsprechen. Dass den Zuschauern hier der Patriotismus einiger Alpenländern fehlt, ist wohltuend.

Are und das Organisationskomitee sind weder für das Anreise-Chaos verantwortlich gewesen noch können sie etwas für das Wetter hier oben. Schon eher, dass bis zum Wochenende im Ort kaum etwas los war. Hoteliers versuchten, von der WM zu profitieren und riefen vor Beginn Zimmerpreise auf, die selbst bei Besuchern aus der Schweiz zu Schnappatmung führten. Die Norweger, die am vergangenen Wochenende den kleinen schwedischen Ort fest im Griff hatten, waren zum Teil Tagesgäste, denn die Grenze ist keine Stunde Autofahrt entfernt – oder sie nahmen die Wucherpreise in Kauf, um Aksel Lund Svindal bei seinem letzten Rennen zu sehen. Wer kurzfristig buchte, bekam womöglich sogar ein Doppelzimmer für 200 Euro die Nacht – fast ein Schnäppchen also.

Gerne wird in diesen Tagen die WM mit der vor zwölf Jahren an gleicher Stelle verglichen, es heißt oft: 2007 war es besser. Vermutlich liegt es daran, dass man das Vergangene oft verklärt, denn auch damals war nicht alles perfekt: Zu Beginn hatten Wind und Wetter das Programm durcheinandergewirbelt – und ein paar Überraschungsmedaillengewinner sorgten für Unmut.

Dieses Mal fanden bisher alle Wettbewerbe zwar oft nicht ganz pünktlich, aber immerhin am geplanten Tag statt. Zweifellos war zumindest bei der Männer-Abfahrt die Entscheidung fragwürdig, auf dem Samstag zu beharren. Internationaler Skiverband und vermutlich auch die Organisatoren aus Are wollten die Königsdisziplin aus Rücksicht auf Sponsoren und Fernsehübertragungen durchpeitschen.

Dass mit Ausnahme des Männer-Super-G jeder Wettbewerb auf verkürzter Strecke stattfinden musste und die Abfahrten deshalb despektierlich als „Mickey-Mouse“-Rennen bezeichnet wurden, war keine Werbung für den Skisport. Für die sorgten nur die Sieger und Siegerinnen. Es gab bisher keine Zufalls-Erfolge bei der WM in Are. Also das ist auch nicht ganz unwichtig.

Elisabeth.Schlammerl@ovb.net

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