Auf dem Weg zum Hightech-Basketball

von Redaktion

FC Bayern setzt als erstes Team der Bundesliga computergesteuerte Leistungsanalyse ein

VON LENA MEYER

München – Ins Gewicht fällt er nicht. Er wiegt nur ein paar Gramm. Die Rede ist von dem kleinen Chip, den die Bayern-Basketballer bei ihren Auftritten im Audi Dome an sich tragen. Verborgen ist das kleine Hightech-Gerät an einem Aufnäher im Hosenbund, oder aber in einem eigens angefertigten Trainingsshirt, das unter dem Trikot getragen werden kann.

„Die Spieler spüren so gut wie nichts davon“, erklärt Co-Trainer Philipp Köchling. Der 41-Jährige treibt das Projekt voran. Seit dieser Saison haben die Bayern eine Partnerschaft mit dem Münchner Unternehmen Kinexon Sports & Media (unsere Zeitung berichtete). Das Ziel: Leistungsanalyse.

Der Audi Dome wurde zu diesem Zweck mit Antennen ausgestattet, die mit den Chips der Spieler korrespondieren. Das Ergebnis: Die Auftritte von Danilo Barthel und Kollegen werden durchschaubarer. „Mithilfe dieser Technik ist es möglich, individuelle Daten zu ermitteln: Beispielsweise über die Distanz, die ein Spieler zurückgelegt hat, oder die Anzahl der Sprünge, die er absolviert hat“, erklärt Köchling, „Diese Daten werden durch das System dokumentiert.“

Die Sensoren, die die Daten der getragenen Chips aufnehmen, sind an den Aufgängen der Arena am Westpark installiert. Jede Bewegung kann auf den Zentimeter genau lokalisiert werden. Und man müsste nicht auf die Heimauftritte beschränkt bleiben. Köchling: „Das System ist portabel. Theoretisch wäre es also möglich die Sensoren mit zu den Auswärtsspielen zu nehmen und ebenfalls in den fremden Hallen zu installieren. Allerdings warten wir hierfür noch auf die Genehmigung der BBL.“ Gleiches gilt für die Euroleague.

Die Bayern sind derzeit das erste deutsche Team, das auf dieses Tool zurückgreift. Die Möglichkeiten, die sich hieraus ergeben, sind groß. Findet auch Köchling: „Die Ergebnisse ermöglichen uns, viel individueller auf jeden Spieler einzugehen, und seine Belastung in Spielen und vor allem im Training zu steuern. Wir hoffen, so Verletzungen vorbeugen zu können.“ Heißt: Der Stab um Trainer Dejan Radonjic kann schneller erkennen, ob ein Spieler geschont werden muss. Muskelverletzungen oder gar Ermüdungsbrüchen könnte vorgebeugt werden.

Und wie haben die Spieler auf diese Neuerung reagiert? „Das Interesse war groß. Zu Beginn sind Einzelne nach jedem Training auf mich zugekommen und haben gefragt, wie viel sie dieses Mal gelaufen sind. Mittlerweile ist die Nutzung normal.“

Wobei man die blanken Daten natürlich zu lesen verstehen muss. Die gelaufenen Kilometer oder die Anzahl der Sprünge müssen auch in Relation zur Einsatzzeit und Position gesetzt werden. Die Bayern-Verantwortlichen ziehen ihre eigenen Schlüsse. Köchling: „Momentan sitzt ein Expertenteam daran, einen Algorithmus zu entwickeln, der es uns möglich macht, die ermittelten Daten zu einem Wert zusammenzufassen – quasi dem Belastungswert. Dieser wäre dann in gewisser Form vergleichbar.“ Eine Frage der Zeit.

„Wie gesagt, es geht uns nicht um den Vergleich und die Bewertung der Leistung der einzelnen Spieler. Dies erfolgt weiterhin im herkömmlichen Sinne“, so Köchling. „Die Kinexon-Werte unterstützen die Analyse der bewährten Methoden.“ Irgendwann könnten sie aber durchaus Einfluss auf taktische Entscheidungen haben.

Und die Sache wird weiter gehen. Das Ziel der Firma ist es, die Chips noch weiter zu verkleinern, sodass sie in die Bälle integriert werden können. Dann kann auch die Ballbewegung verfolgt werden. Ein weiterer Schritt in Richtung Hightech-Basketball. Die Bayern sind bereit.

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