Bronze für ein paar Sekunden

von Redaktion

Das deutsche Ski-Team jubelt schon – dann aber wird Linus Straßer disqualifiziert

VON ELISABETH SCHLAMMERL

Are – Die große Freude dauerte nur einen kurzen Moment. Christina Geiger, Lena Dürr und Anton Tremmel und Linus Straßer wähnten sich schon auf dem Siegerpodest im Teamwettbewerb der alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Are, ehe der Blick auf die Anzeigentafel zuerst für Zweifel und dann für Ernüchterung sorgte. Noch immer stand dort die deutsche Mannschaft als Bronzemedaillengewinner, dann tauchten hinter dem Namen von Straßer drei Buchstaben auf: DSQ. Das steht für disqualifiziert auf. Statt 2:2 stand es 1:3, die Italiener jubelten.

Für die Deutschen blieb bei der Ski-WM wieder nur der erste Platz neben dem Podest. Nachdem sie sich schon gefreut hatten, lief die Wiederholung des Laufes von Straßer – und alle im Skistadion von Are sahen, warum Deutschland doch nicht zu seinem ersten Edelmetall gekommen ist. Der Münchner hatte sein Duell mit Alex Vinatzer aus Italien zwar gewonnen, damit den zweiten Punkt für die Deutschen geholt und auch die nächste Voraussetzung erfüllt, um dieses Bronze-Rennen als Sieger zu beenden: Er war die beste Zeit in diesem kleinen Finale gefahren. Aber er hatte eben bei einem Tor eingefädelt. Weil er, wie später sagte, nicht ganz sicher gewesen sei, habe er nicht wie vorgeschrieben vom Reglement abgeschwungen. „Ich habe nur gemerkt, ich war sehr nah am Tor“, sagte Straßer. Statt 2:2 stand es 1:3 und nun jubelten die Italiener. Gold ging wie im vergangenen Jahr bei den Olympischen Winterspielen an die Schweiz, das im großen Finale Österreich besiegte.

Ein wenig passt diese kleine Panne zur deutschen Mannschaft bei diesen Titelkämpfen. Sie ist oft vorne dabei, aber eben nie auf dem Podest. Viktoria Rebensburg wurde Vierte im Super-G, Josef Ferstl einen Tag später in der gleichen Disziplinen Sechster, und am Montag verpasste Straßer in der Kombination bereits als Fünfter knapp eine Medaille. „Ich kann schon umgehen mit engen Entscheidungen, aber wir waren richtig gut heute“, sagte Alpinchef Wolfgang Maier. In den ersten beiden Runden bezwang das deutsche Quartett die Briten, lediglich Debütant Anton Tremmel verlor sein Duell mit – dem allerdings Besten – Dave Ryding, und dann ebenso souverän Titelverteidiger Frankreich. Dabei gewann Geiger ihr Duell mit Riesenslalom-Weltmeisterin Tessa Worley, und Straßer bezwang den zweifachen Saisonsieger im Slalom, Clement Noel. Im Halbfinale gegen die Schweiz war das Glück zum ersten Mal nicht auf der Seite der Deutschen. Am Ende fehlten in der 0,20 Sekunden, womöglich, weil Straßer im Duell mit Ramon Zenhäusern nach einem Fehler beinahe ausgeschieden wäre und somit verlor – und, was bei dem Stand von 2:2 entscheidend war, zu langsam war. „Da musste ich mein letztes Hemd riskieren, dann hat es mich bei einem Tor ausgedreht“, sagte Straßer. Als Einzige konnte in Lena Dürr ausgerechnet jene Läuferin alle Duelle für sich entscheiden, die in diesem Winter im Slalom so große Probleme hatte.

„Uns hätte das schon mal ganz gut getan“, fand Maier, nach all den Schwierigkeiten in dieser Saison mit Verletzungen und dem aberkannten Sieg von Stefan Luitz in Beaver Creek. Kein Trost dürfte es sein, dass der vierte Platz für die deutsche Mannschaft das beste Resultat im Teamwettbewerb bei einem Großereignis seit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der WM 2013 in Schladming war. Geiger sagte es so: „Bei einem Weltcup wäre ich zufrieden mit dem vierten Platz, aber bei einer WM ist das einfach der ungünstigste.“

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