„Sport ist immer ein Gewinn für das junge Leben“

von Redaktion

Talkrunde: Michaela Gerg, Dieter Thoma, Jens Voigt und Christian Danner über Rausch, Leidenschaft und Glück

VON HEIDI SIEFERT

Rottach-Egern – Talkgäste, die auf dem Boden sitzend ihre Erklärungen anschaulich darzustellen versuchen – einen besseren Beweis für das Gelingen einer Gesprächs-Plattform für Leidenschaften hätte es kaum geben können. Doch nicht nur Skisprung-Olympiasieger Dieter Thoma und Formel-1-Pilot Christian Danner sorgten für einen lebhaften Austausch bei der ersten Bayern Soirée, zu der Premium Cars Rosenheim ins Rottacher Park-Hotel Egerner Höfe eingeladen hatte. Auch die Lenggrieser Skirennfahrerin Michaela Gerg und der 17-fache Tour-de-France-Teilnehmer Jens Voigt plauderten angeregt mit dem Moderator und bekennenden Sport-Nerd Matthias Killing über den „Rausch der Geschwindigkeit“, Schufterei und Glücksmomente, die besonderen Augenblicke des Flows und ihr Leben nach dem Profisport.

Mit 140 km/h über die Abfahrtspiste rasen und spüren, wie unter dem Ski ein Luftpolster entsteht und man selbst keine Kontrolle mehr hat. An der Skiflugschanze eine Kreuzung aus Extrem-Verliebtsein und der Schrecksekunde beim Autofahren fühlen, wenn man gerade noch einen Unfall vermeiden konnte. Mit 90 km/h mitten im Peloton durch einen schlecht beleuchteten Tunnel fahren und die innere Stimme unterdrücken, die einen zum Bremsen mahnt, weil man weiß, dass es einen Massensturz gäbe, wenn man wirklich bremsen würde. Mit derlei anschaulichen Schilderungen ihres „krassesten Geschwindigkeitsrausches“ eröffneten die Athleten einen emotionalen Abend, an dem Christian Danner gleich zu Beginn die Definition zurecht rückte: Rausch habe etwas mit Kontrollverlust zu tun und sei im Sport unverantwortlich, betonte der 60-jährige Münchner, der sich mit der Formel 1 seinen großen Lebenstraum erfüllte. Vielmehr gehe es darum, die völlige Kontrolle zu behalten, aber das Machbare und die eigenen Grenzen auszuloten.

Schnell wurde klar, dass Talent allein den kleinsten Teil zum Erfolg beiträgt. Es braucht die Konsequenz, sich zu quälen, an den kleinsten Details zu feilen, immer nach vorne zu schauen und sich auf sich zu konzentrieren. „Es hilft nicht, neidisch auf das Leben anderer zu schauen. Man muss aus den eigenen Möglichkeiten das Beste machen“, so der sechsfache Familienvater Voigt (47), der in 33 aktiven Jahren 850 000 Kilometer im Sattel saß („Von Rottach-Egern zum Mond, zurück und noch mal die Hälfte hoch“), elf Knochenbrüche erlitt und nach diversen Stürzen mit 120 Stichen genäht wurde. Wobei alle vier das Sich-Quälen relativierten. Niemals hätten sie das Gefühl gehabt, durch den Aufwand für den Leistungssport etwas zu versäumen. Vielmehr habe sie die Leidenschaft getragen und tut es auch nach der aktiven Zeit.

Nur Dieter Thoma (49) beklagte das Los des Skispringers, der im Gegensatz zu seinen Kollegen seine Disziplin im Alter nicht mehr ausüben könne. Nach seinem Sprung ins neue Jahrtausend auf der Garmischer Schanze stellte er die Ski in die Ecke. Mit Michaela Gergs leidenschaftlichem Plädoyer für den Sport als Schule für Toleranz und Fairness endete der Abend: „Sport ist immer ein Gewinn für das junge Leben!“ animierte die Lenggrieserin dazu, Kinder entsprechend zu fördern. Und Thoma ergänzte, die so gewonnenen Werte seien unbezahlbar.

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