KOMMENTAR

Beherzte Auftritte

von Redaktion

Die Überraschung zum Abschluss der Ski-WM war nicht, dass Felix Neureuther die erhoffte Medaille verpasste, auch nicht, dass er noch keine Entscheidung über seine Zukunft verlauten ließ. Für den Paukenschlag sorgte er mit seiner Kritik an den Leistungen einiger Teamkollegen und der aktuellen Ausrichtung des Deutschen Skiverbandes.

Egal, ob nach dieser Saison die Erneuerungen im Sinne von Neureuther ausfallen und er seine Karriere fortsetzt oder ob der Slalom von Are doch sein letzter Auftritt bei einem Großereignis gewesen ist – die Ära des erfolgreichsten deutschen Skirennläufer neigt sich dem Ende entgegen.

Er wird fehlen, sportlich, weil er in den vergangenen Jahren der zuverlässigste Medaillensammler war, aber vor allem auch als Aushängeschild, Sympathieträger des deutschen Wintersports. Und natürlich auch als kritischer Geist. Keine dieser Lücken lässt sich leicht füllen, aber zumindest darf sich die alpine Sparte des DSV heute breiter aufgestellt sehen als noch vor einigen Wintern.

Die Frauen traten nach ein paar dürren Jahren mit Rebensburgs One-Woman-Show wieder als Mannschaft mit Perspektive auf, vor allem in den schnellen Disziplinen. Kira Weidle, da sind sich die Verantwortlichen einig, hat eine große Zukunft vor sich, wenn sie gesund bleibt. Die Resultate der gleichaltrigen Meike Pfister und die Entwicklung von Michaela Wenig sind ein weiterer Beweis dafür, dass sich der jahrelange Kampf und die Geduld gelohnt haben.

Bei den Männern ist man da schon einen Schritt weiter. Auch ohne die beiden Verletzten Andreas Sander und Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen spielte die Mannschaft eine ansprechende Rolle, zumindest im Super-G. In der Abfahrt lag es wohl weniger an den Athleten als vielmehr an Materialproblemen. Da gebe es Nachholbedarf, räumte Alpinchef Wolfgang Maier ein.

Viktoria Rebensburg dient noch als Schutzschild. Die beherzten Auftritte der nächsten Generation wie vor allem Alexander Schmid, aber auch Anton Tremmel und Marlene Schmotz reichten noch nicht für Medaillen, zeigten aber, dass dem Deutschen Skiverband nicht bange sein muss vor der Zukunft. Auch vor einer Zukunft, in der früher oder später Felix Neureuther keine Rolle mehr spielt.

Elisabeth Schlammerl

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