Elfmeter oder nicht? Handspiel-Frage erregt die Gemüter

von Redaktion

Hamburg – Die Trainer fluchen, die Spieler sind verunsichert – und die Fans verstehen die Entscheidungen der Schiedsrichter immer seltener: Die Auslegung der Handspiel-Regel wird in der Fußball-Bundesliga zu einem Dauer-Reizthema. Die Kritiker fordern vehement eine klarere Linie. Am 22. Spieltag kochten die Diskussionen wieder hoch.

Egal ob in Wolfsburg, Gelsenkirchen oder Stuttgart – überall redeten sich die Protagonisten zu dem leidigen Thema die Köpfe heiß. „Das Handspiel ist für mich ein rotes Tuch, weil es so schwierig zu beurteilen ist“, sagte Bruno Labbadia, Trainer des VfL Wolfsburg: „Das ist ein sehr kompliziertes Ding für die Schiedsrichter wie für uns alle.“ Christian Streich, Labbadias Amtskollege beim SC Freiburg, träumte sich zurück in die Zeiten ohne Videobeweis: „Wir leben im Technologie-Zeitalter, aber ich bin altmodisch und hab’ das Spiel lieber, wie’s vorher war.“

So, wie es jetzt ist, mögen es immer weniger der Protagonisten. Zu unterschiedlich werden vergleichbare Situationen ausgelegt – so ist zumindest die Wahrnehmung. Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich hält aber dagegen. „Vier korrekte Entscheidungen, eine im Grenzbereich“ habe es gegeben, sagte der 61-Jährige auf dfb.de. Der Handelfmeter für die Wölfe gegen Mainz 05 war noch vergleichsweise eindeutig.

Die größte Aufregung gab es in Gelsenkirchen beim Duell der Schalker mit dem SC Freiburg. Gästespieler Lukas Kübler sprang gleich mehrfach der Ball an Hand und Arm – einen Strafstoß (33.) gab es aber nicht. Dies verwunderte den früheren Weltschiedsrichter Markus Merk genauso wie die Entscheidung von Schiedsrichter Frank Willenborg, nachdem Schalkes Omar Mascarell in der Schlussphase (81.) bei einer Grätsche der Ball an den Ellbogen sprang.

„Nach den Anweisungen war für mich klar, dass es Elfmeter gibt“, sagte Merk: „Ich war erstaunt, dass dann der Videoassistent eingegriffen hat.“ Die Kübler-Szene sah auch Fröhlich als Entscheidung im Grenzbereich an. Wenn sich sogar profilierte Schiedsrichter uneins sind, wird es für die Spieler nicht einfacher.

„Nö“, antwortete Freiburgs Vincenzo Grifo auf die Frage, ob er noch einschätzen kann, wann es Elfmeter gibt und wann nicht. Unverständnis machte sich auch bei Leipzigs Kapitän Willi Orban breit. Beim 3:1 von RB in Stuttgart war ein Handkontakt Orbans nach Videobeweis sanktioniert worden – Stuttgarts Steven Zuber verwandelte den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1. „Für alle Beteiligten wäre es einfacher, wenn man da eine klarere Linie reinbringt“, sagte Orban. sid

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