Lehren für Liverpool

von Redaktion

Der FC Bayern will aus den Fehlern in Augsburg lernen, bangt aber um Coman

VON CHRISTOPHER MELTZER

Augsburg – Am späten Freitagabend versuchten es die Bayern noch mit einem Trick. Sie schickten ihren Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu den Reportern in die Mixed Zone – und als dieser dann angefangen hatte zu reden, schickten sie dahinter noch einen zweiten Angestellten los: Kingsley Coman, den Außenstürmer. Nur ging ihr Ablenkungstrick nicht auf. Und so tauchten bereits wenige Minuten später die ersten Bilder im Internet auf, die Coman zeigten, mit einem dicken Verband um den linken Knöchel. Die Fotos des verletzten Franzosen waren die traurige Pointe an einem Abend, der die vielen Probleme des FC Bayern mal wieder offenbarte.

Jetzt, da das erste Champions-League-Spiel gegen den FC Liverpool (Dienstag, 21 Uhr) weniger als 48 Stunden entfernt ist, hat sich der Fall Coman noch nicht aufgelöst. Am Freitag führte er die Bayern mit zwei Toren und einer Vorlage zum 3:2-Sieg in Augsburg, verletzte sich kurz vor Schluss aber. Am Samstag gaben die Bayern „nach einer eingehenden Untersuchung“ Entwarnung. Am Sonntag veröffentlichten sie ein Bild, das ihm beim Joggen zeigt. Zugleich berichtete die „Bild“ jedoch, dass Coman einen Belastungstest abbrechen musste. Ausgang offen.

Natürlich würde Coman, 22, den Bayern sehr fehlen. Nur sollten sich sowieso nicht darauf verlassen, dass er ihnen auch in Liverpool aus der Patsche helfen kann. Er hat mit seiner Geschwindigkeit und seinen Toren mal wieder Probleme kaschiert, die den Verein schon lange beschäftigen. Zweimal ist ihre Abwehr von einer Mannschaft überrumpelt worden, deren Stürmer nicht Salah, Mané und Firmino heißen, sondern Cordova, Gregoritsch und Ji. Das veranlasste Hasan Salihamidzic zu einer radikalen Forderung: Man müsse sich in Liverpool „um ein paar hundert Prozent steigern“.

Es war nicht die einzige Forderungen, die Salihamidzic am Freitag aufgestellt hat. Er sagte auch: „Wir dürfen nicht so viele Gegentore kassieren.“ In 22 Spielen Ligaspielen haben die Bayern schon 26 Treffer einstecken müssen. Warum sich überhaupt so viele angesammelt haben, konnte Salihamidzic aber nicht erklären. „Da bin ich auch ratlos“, sagte er. Auch Mats Hummels sagte, dass es „nicht immer Erklärungen“ gibt. Nur Niklas Süle, der andere Innenverteidiger, merkte an, dass die „Konterabsicherung nicht gestimmt hat“ und dass man „kompakter stehen“ müsse. Und Niko Kovac, sein Trainer, meinte sogar: „Alles muss besser werden. Wir müssen in Liverpool ganz anders auftreten.“ Nur wie soll das gehen?

Am Freitagabend trug Mats Hummels schon mal ein paar Leitideen vor. Man dürfte vor dem aggressiven Liverpooler Pressing – das Trainer Jürgen Klopp in England auf die Spitze getrieben hat – nicht kapitulieren. Man dürfte in diesen Situationen nicht quer und auch nicht nach hinten spielen, sondern mutig nach vorne, um die ersten Pressinglinien zu überspielen. „So kann man ihnen wehtun“, sagte Hummels.

Vermutlich wird er das persönlich umsetzen dürfen. An seiner ersten Elf wird Kovac wohl nichts ändern – außer Coman fällt aus. Dann müssten sich die Bayern aber sowieso noch einen neuen Trick überlegen.

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