Neuer und sein Finger: Die Zweifel bleiben

von Redaktion

Augsburg – Als der Ball auf ihn zuflatterte, nahm Manuel Neuer die Arme vor die Brust. Er hätte versuchen können, ihn zu fangen, er hätte ihn auch einfach mit den Fäusten abwehren können. Es war kein präziser Schuss, den der Augsburger Dong-Won Ji in der 56. Spielminute auf sein Tor gefeuert hatte, dazu war die Position ungünstig: am rechten Eck des Strafraums, etwa 20 Meter vom Tor entfernt. Doch Neuer fing den Ball nicht, er faustete ihn auch nicht, sondern legte seine Arme zusammen – und baggerte ihn ins Aus. So sieht das eigentlich nicht aus, wenn einer der besten Torhüter der Welt einen Schuss entschärft.

Achtmal haben die Fußballer des FC Augsburg am Freitagabend auf Neuers Tor gezielt – und vielleicht ist es etwas gemein, sich hinterher diesen einen Versuch herauszupicken. Die Flugkurve war fies, der Moment heikel. Zweimal mussten die Bayern an diesem Abend schon einen Rückstand aufholen, endlich führten sie 3:2, Neuer wollte wohl nichts riskieren. Es war zugleich aber eine gute Gelegenheit, um noch einmal jene Frage aufzuwerfen, die den Verein im Februar bisher besonders beschäftigt: Ist die Nummer Eins des FC Bayern schon bereit für das Achtelfinale der Champions League gegen den FC Liverpool?

Vor etwa zwei Wochen hatten die Bayern mitgeteilt, dass Neuer, 32, sich im Training am Finger verletzt hat – und weil sie die genaue Diagnose nie veröffentlichten und auf Fragen etwas seltsam antworteten, fragten sich viele, ob die Verletzung ihn wohl länger einschränken könnte. In Augsburg durfte Neuer nun erstmals wieder das Tor hüten. „Ich wollte unbedingt spielen, ich hätte gerne schon vorher gespielt, aber habe natürlich auf den Rat der medizinischen Abteilung gehört“, sagte er hinterher. Es lag auch nicht an ihm, dass die Bayern schon wieder zwei Gegentore kassierten. Nur konnte er die Zweifel eben auch nicht ausräumen.

Es scheint aber, als sei Neuer von der Debatte um seinen Finger genervt. Als er auf die Schutzschiene angesprochen wurde, die er vor und nach Spielen am Finger trägt, sagte er: „Das ist ein Schutz, ja.“ Und auf Nachfrage, ob er sich eingeschränkt fühle, sagte er etwas pampig: „Was heißt Einschränkung jetzt?“  cfm

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