München – Es war eine der seltenen Gelegenheiten, Fußball mal wieder zu erleben wie die Väter der heutigen Spielergeneration. Hingehen, Ticket lösen, das alles spontan, ohne Vorverkaufsstress. Möglich war es, weil das 31. Heimspiel des TSV 1860 seit der Rückkehr nach Giesing mal nicht wochenlang im Voraus ausreserviert war. Verpasst haben die 900 Fans, die nicht kamen (offizielle Zuschauerzahl: 14 100): einen wahren Montagabendkrimi.
Sie sahen einen 2:1 (0:0)-Sieg gegen Aalen, der alle Elemente enthielt, die Löwen-Fans wahlweise grauhaarig oder glückselig werden lassen: Schwungvolle Anfangsphase, weißblaue Torschusshemmung, Rückstand nach dem Wiederanpfiff und eine irre Schlussphase, die einen neuen weißblauen Helden hervorbrachte. Prince Osei Owusu, Schütze des späten Siegtreffers, sagte: „Es war eine gute Teamleistung. Ich bin stolz, dass ich mit meinem Tor zum Sieg beitragen konnte. Wir haben alle zusammen gewonnen. Ich hab ein bisschen Anlaufzeit gebraucht, das Trainerteam wusste von meiner Qualität. Jetzt konnte ich sie endlich zeigen.“
Im Fokus war aber zunächst ein anderer Löwen-Stürmer gestanden: Markus Ziereis. Der Oberpfälzer, von einer langwierigen Knieverletzung genesen, durfte neben Sascha Mölders stürmen und stellte früh die Zeichen auf Attacke. Sein Kopfball in der zweiten Minute zwang Aalens Keeper Bernhardt zur Glanzparade. Kurz darauf setzte er Nico Karger auf dem linken Flügel ein. Keine Frage, die Löwen wollten erst gar keine Montagabend-Langeweile aufkommen lassen.
Das eine oder andere Tor wäre durchaus drin gewesen in der stürmischen Anfangsphase: Mölders hatte Chancen, Lex sorgte über rechts für Schwung. Jedoch: Wie so häufig fehlte der letzte Punch im Strafraum, was dem Gegner die Möglichkeit gab, nach glücklich überstandener Anfangsphase selber ein bisschen offensiv zu werden.
Je unpräziser die Löwen spielten, je weniger zwingend sie die Bälle hin und her schoben, desto mehr trauten sich die Gäste von der Ostalb zu. Bei ihrer besten Chance, einer Direktabnahme von Siskovic (34.), musste 1860-Keeper Marco Hiller schon sehr auf der Hut sein, um einen Rückstand zu verhindern. Zwar bekam auch Aalens Bernhardt noch ein bisschen was zu tun, doch der Halbzeitstand von 0:0 ging schon in Ordnung. „Wir müssen geduldig bleiben, uns zutrauen eins gegen eins zu gehen und das Tor machen“, regte Co-Trainer Oliver Beer in seiner Halbzeitanalyse an.
Dieser gut gemeinte Wunsch war schon nach drei Minuten hinfällig. Aalen eröffnete die zweite Halbzeit mit einem Angriff über rechts, den Schnellbacher mit einem satten Schuss in den Giebel abschloss. Nun war Daniel Bierofka als Praktiker gefragt, nachdem er in der Früh die erste Abschlussprüfung seiner Fußballlehrer-Ausbildung absolviert hatte. Er reagierte mit einem Doppelwechsel: Owusu und Berzel rein, Ziereis und Weeger raus. Und mit einem Pfostenschuss von Karger wurde kurz darauf die dramatische Schlussphase eingeläutet.
Jan Mauersberger kam noch, um die Angriffswucht bei Standards zu erhöhen, doch den Retterpart übernahmen andere: Daniel Wein hielt einfach mal drauf und hatte Glück, dass ein Aalener unglücklich abfälschte – 1:1. Vier Minuten später landete ein verunglückter Karger-Schuss bei Owusu, der überlegt einnetzte. Giesing flippte aus. Bei entsprechender Dramaturgie kann auch ein Montagabendkick Laune machen. „Der Prinz ist zumindest heute Abend der König von Giesing“, jubilierte Stadionsprecher Stefan Schneider.