„Jedes Spiel kann das letzte sein“

von Redaktion

Jason Jaffray über Eishockey mit 37 nach einer komplizierten Verletzung

VON GÜNTER KLEIN

München – Am Sonntag Köln, morgen Krefeld – Jason Jaffray hat die Reise in den Westen mal mitangetreten. Ohne den Anspruch, dass er auch spielen wird, obwohl er jetzt wieder spielen könnte. Wie am Freitag gegen Nürnberg getan. Comeback nach dreieinhalb Monaten. Doch Don Jackson und Matt McIlvane, die Trainer des EHC München, haben beschlossen, dass sie mit Stürmer Jaffray, 37, sorgsam umgehen – „und er ist damit einverstanden“, so Jackson. Beim 6:1-Sieg des EHC in Köln hatte Jaffray gleich wieder Pause – nicht dass die Verletzung wieder aufbricht. „Nach einer so langen Zeit kann man nicht drei Spiele in fünf Tagen machen“, meint der Headcoach.

Jaffray, der Kanadier, ist aber noch ganz beseelt vom Freitag. Dass er wieder eingesetzt wurde, „das hat ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert“. Mit Verletzungen kennt er sich zwar aus, „ich hatte auch schon schwerere – diese jetzt war die komplizierteste. Ich kenne jeden Arzt in München.“ Es gab wechselnde Diagnosen, es hieß mal „in zwei Wochen wieder, dann in vier, dann in acht“, zwischendurch war angesagt, „dass ich zwei, drei Wochen gar nichts machen darf“. Für einen bewegungsgewohnten Profi, erzählt Jason Jaffray, sei das schwer zu verkraften: „Wenn ich drei Wochen Urlaub habe, muss ich meiner Frau nach sechs, sieben Tagen beibringen, dass ich unbedingt wieder ins Gym will.“ Schlimmer noch fühle sich Entzug während der Saison an: „Ich will nicht auf der Couch liegen und Netflix schauen.“

Genaueres über seine Verletzung darf er nicht sagen („Unterkörperverletzung“ – man hört aber, es handle sich um die Hüfte), er ist Realist genug, um zu wissen, „dass in meinem Alter jedes Spiel das letzte sein kann.“ Hingearbeitet hat er aufs Finale der Champions League (es war am 5. Februar) – „aber mein Körper hat sich geweigert“.

Vorige Saison stand Jaffray mit Patrick Hager und Michael Wolf auf dem Eis. Eine stimmige Sturmreihe. „Man kann Jason gegen den besten Block des Gegners stellen“, sagt Don Jackson. Wird diese Ü 30-Formation nun wiedervereint? Jackson räumt ein, diese Vorstellung habe „eine gewisse Sexyness“ – aber wahrscheinlich wird sie nicht realisiert.

Jaffray hat einen Nachfolger gefunden: Yasin Ehliz. Der deutsche Nationalspieler bringt ein ähnliches Profil ein: „Viel Energie, er arbeitet in den Ecken“, erläutert Don Jackson. Wolf und Hager haben sich mit Ehliz eingespielt. Jason Jaffray muss in einer anderen Reihe unterkommen. Beziehungsweise sich überhaupt durchsetzen. Die Konkurrenz ist größer geworden. „Das Beste an meiner Verletzung und der von Mads Christensen“, sagt er, „ist, dass junge Spieler wie Daubner und Mayenschein sich ein Standing erarbeitet haben.“ In Köln nahm Maxi Daubner, 21, Jaffrays Platz ein.

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