Unterhaching – Ausgerechnet Ferdinand Tille ließ den letzten Hoffnungsschimmer aufglimmen: Der 30-Jährige, als Libero bei den Herrschinger Volleyballern eigentlich ausschließlich für die Defensive zuständig, glich mit einer Abwehraktion, die direkt ins Feld der Hypo Tirol Alpenvolleys Haching tropfte, im dritten Satz des Derbys zum 8:8 aus. Triumphierend reckte er die Arme in die Höhe, während die Fans seines Teams ihn mit enthusiastischen „Tille! Tille!“-Rufen feierten, weil sie nach den verlorenen ersten beiden Sätzen und einem 3:7-Rückstand in besagtem dritten Durchgang von einer Wende träumten.
„Da merkt man, dass ich im Training öfter Außenangreifer spielen darf“, kommentierte Tille später scherzhaft seinen ungewöhnlichen Punkt, der dann doch nicht so bedeutsam war wie von den Herrschingern erhofft. Denn sofort zogen die Alpenvolleys wieder davon, das 3:0 (25:21, 25:21, 25:21) spiegelte am Ende die Kräfteverhältnisse zwischen dem Ersten und dem Siebten der Bundesliga angemessen wider. Deshalb zeigte sich Tille gar nicht unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: „Wir haben phasenweise ganz gut gespielt, aber es ist passiert, was uns schon die ganze Saison über passiert: Dass wir zwischendrin ein, zwei Punkte liegen lassen. Und das darf dir gegen ein Top-Team nicht passieren.“ Zudem haderte er mit den Unparteiischen: „Ich rege mich selten über die Schiedsrichter auf, aber heute gab es ein paar unglückliche Entscheidungen. Ohne die könnte es auch mal 23:23 stehen. Ob wir das Spiel dann gewinnen, weiß ich nicht. Vielleicht holen wir aber einen Satz.“
Tragisch nahmen die Gäste die glatte Niederlage allerdings nicht. „Die Alpenvolleys sind schon eine individuell ungeheuerlich starke Mannschaft. Da kann ich von unserem teilweise jungenhaften Team nicht erwarten, dass wir gewinnen“, sagte Trainer Max Hauser, der mit seiner Truppe gegen andere Gegner punkten muss. Vier Partien warten noch, in denen Tille und Co. den Einzug in die Playoffs perfekt machen wollen. Neben dem Heimspiel gegen den Tabellendritten aus Lüneburg müssen die Herrschinger dreimal reisen, unter anderem zu den beiden abgeschlagenen Letzten TV Rottenburg und VCO Berlin.
Ganz besondere Bedeutung kommt dem nächsten Duell, bei den neuntplatzierten Netzhoppers Königs Wusterhausen am 7. März, zu: Die Brandenburger könnten mit einem Sieg am Ammersee-Team vorbeiziehen, so auch dessen Viertelfinal-Teilnahme ernsthaft in Frage stellen. „Wenn wir die drei Auswärtsspiele gewinnen, sieht es gut aus. Wenn wir verlieren, gehören wir vielleicht auch nicht in die Playoffs. Aber wir haben es selbst in der Hand“, gibt sich Tille nach dem ordentlichen Auftritt in Unterhaching zuversichtlich.