München – Er bestritt 60 Europapokalspiele, wurde 1996 in England Europameister: Thomas Helmer, 53, weiß, was die Bayern heute in Liverpool erwartet. Und er wird auch darüber reden, denn der Ex-Verteidiger moderiert ab 20.30 Uhr den Fantalk auf Sport1. Vorher sprach unsere Zeitung mit ihm.
Herr Helmer, wen sehen Sie bei Liverpool gegen Bayern vorne?
Die meisten sagten, dass Liverpool Favorit ist. Die spielen eine überragende Saison und haben eine Klassemannschaft. Aber sie haben auch schon viele Spiele absolviert – also mal schauen . . .
Bei den Bayern war zuletzt immer wieder die Defensive ein großes Thema. Das könnte gegen Liverpool mit seinen Hochgeschwindigkeitsspielern ein Problem werden.
Bayern hat natürlich große offensive Power, aber das defensive Umschaltspiel wird am Dienstag das große Thema sein. Denn die Kontersituationen sind auf internationaler Ebene noch mal eine andere Geschichte – das ist mit das Wichtigste, aber darauf wird Niko seine Spieler schon hingewiesen haben. Er kennt das ja aus eigener Erfahrung als Spieler.
Woran hakt es bei Bayern im Abwehrverhalten? Liegt es an fehlender Kommunikation?
Die sollte ja wohl nicht das Problem sein. Ich muss auch mal auf dem Platz dem Mitspieler den Marsch blasen können. Das Umschaltspiel beginnt im Mittelfeld. Und da hat Bayern viele Spieler, die sehr offensivstark sind. Aber auch die müssen manchmal dazwischen hauen.
Sie kennen die Atmosphäre in englischen Stadien. Ist Anfield tatsächlich so einschüchternd für die Gegner?
Wenn Liverpool ins Rollen kommt, wird’s gefährlich. So oder so wartet auf die Bayern ein hartes Stück Arbeit. Aber als Spieler der gegnerischen Mannschaft kann dir die Stimmung in einer Kultstätte wie Anfield auch einen Kick geben. Das habe ich damals 1996 im Halbfinale gegen England in Wembley so erlebt.
Wie erleben Sie eigentlich die Robert Lewandowski/Didi Hamann-Geschichte?
Robert hat und braucht auch als Stürmer ein gewisses Ego. Aber wenn man ihn beobachtet, dann sieht man schon, dass er viele Bälle auflegt und auch nach hinten arbeitet. Aber er wird natürlich nie der Spieler werden, der die Gegner weggrätscht. Das verlangt auch keiner.
Bei den Bayern steht im Sommer der Umbruch an. Wie haben Sie solche Phasen in ihren jeweiligen Mannschaften erlebt?
Solche Umbrüche sind ja nicht so ungewöhnlich. Und man darf nicht vergessen, dass Spieler wie Franck Ribéry und Arjen Robben schon extrem lange bei den Bayern sind. Ich finde, Bayern braucht Veränderungen und Verstärkungen in allen Mannschaftsteilen.
Interview: Bernd Brudermanns