München – Tischtennis der Extraklasse gibt’s am Samstag im Audi Dome. Timo Boll (37, frühere Nr. 1 der Welt) tritt mit seinem Klub Düsseldorf (Serienmeister und Champions-League-Sieger) zum Ligaspiel gegen Vizemeister Ochsenhausen an. Das Event ist eine Benefizveranstaltung für die Kinderhilfe Organtransplantation KiO, für die sich neben Boll auch Thomas Müller engagiert. Unsere Zeitung sprach mit Boll.
Timo Boll, warum fiel die Wahl auf München?
Wir waren schon in anderen größeren Städten, zum Beispiel in Hamburg. Wir wollen Tischtennis an den Menschen bringen, in München gibt es ja nicht viele höherklassige Vereine. Zum FC Bayern besteht ja auch eine Verbindung durch die Kinderhilfe Organtransplantation.
Was erwartet die Fans sportlich?
Das ist ein Leckerbissen mit den beiden stärksten Mannschaften in Deutschland. Das war ja vergangene Saison auch das Playoff-Finale. Und für mich ist es vielleicht mein letztes Spiel in München…
Apropos München: Sind Sie eigentlich Bayern-Fan?
Als Hesse halte ich zu Eintracht Frankfurt und ansonsten bin ich Dortmund-Fan. Aber in der Champions League halte ich zu den Bayern.
Der FCB engagiert sich sehr im Basketball, würden Sie sich so ein Engagement auch im Tischtennis wünschen?
Natürlich würden wir uns freuen, wenn der FC Bayern das forcieren würde.
Wie sieht es im Tischtennis mit Nachwuchs aus?
Früher gab es für die Kinder und Jugendlichen nicht so ein Riesenangebot, da war es normal, in Sportvereine zu gehen. Und heutzutage ist es auch schwieriger, Ehrenamtliche als Trainer zu finden.
Was macht Ihren Sport so besonders?
Es ist spannend für alle Leistungs-Level. Tischtennis braucht nicht viel Platz, Platten findet man überall. Im Leistungssport kommt dann noch die Athletik und der Kopf hinzu. Tischtennis ist wie ein 100-Meter-Lauf mit Schach. Laut Studien in Asien ist Tischtennis der einzige Sport, der gegen Demenz hilft. Bei mir im Heimatverein ist in der Rentnergruppe sogar ein 92-Jähriger dabei.
Wie lange wollen Sie noch als Profi spielen?
Mein Vertrag in Düsseldorf läuft bis 2022, den möchte ich gerne erfüllen.
Sie spielen regelmäßig in Asien, sind dort ein Star – wie gehen Sie damit um?
Hier kann ich ja relativ normal leben – und was das Star-Sein in Asien betrifft: Da verdient man ja auch ganz gut, da beneiden mich andere Sportler schon.
Wie sehen Sie die Entwicklung im Welt-Tischtennis?
In Japan und China ist das Volkssport, da wird auch im Nachwuchs ganz anders gearbeitet. In Asien gehen die Kinder manchmal schon mit acht neun Jahren nicht mehr täglich zur Schule sondern trainieren sechs, acht Stunden am Tag. Da sieht man den Sport eher als Chance, bei uns vielleicht als Gefahr.
Und wie war das Ihnen in der Jugend?
Mein Vater hat mich überall zum Tischtennis hingefahren, aber meine Mutter hat schon darauf geachtet, dass die Schule nicht zu kurz kommt…
Interview: Bernd Brudermanns