München – Eruptive Freude, direkt übergehend in kollektive Erleichterung. Das war das Stimmungsbad, in das die Löwen sich und ihre Fans am Montagabend tauchten. 2:1 nach 0:1 gegen Aalen, sieben statt vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone – so lässt sich’s leben in Giesing und Umgebung. „Wir haben uns das Glück erarbeitet“, konstatierte Sportchef Günther Gorenzel gestern nach dem Auslaufen. „Jeder hat sein Ego in den Dienst der Mannschaft gestellt. Diesen Geist, diese Stimmung, müssen wir nach Cottbus mitnehmen.“
Dorthin, wo am Samstag um 14 Uhr das nächste Sechspunkte-Spiel ansteht. Ein weiterer Sieg – wie in der Vorrunde beim 2:0 – und die Sechziger wären wohl aus dem Gröbsten raus. Bleibt aus Sicht der Blauen nur zu hoffen, dass sie nicht auch ihre Konteranfälligkeit einpacken. Lediglich Torwart Marco Hiller (und der eklatanten Abschlussschwäche des Schlusslichts) war es am Montag zu verdanken, dass die Partie noch zu einem Happy End führen konnte. Entsprechend unflätig reagierte ein Teil des Publikums, als sich die Fehlpässe nach ansprechender Anfangsphase häuften. Speziell Efkan Bekiroglu geriet ins Visier der Haupttribünen-Fans. Dem 23-jährigen Deutsch-Türken war die wachsende Verunsicherung anzumerken, auch Simon Lorenz, 21, erlaubte sich mehr Fehler als gewohnt. Routinier Sascha Mölders war es nach dem Schlusspfiff auf dem Zaun der Westkurve deshalb ein Anliegen, an die Geduld der Fans zu appellieren: „Männer, wir wissen, dass wir eigentlich keinen Grund haben zu feiern“, hob der 33-jährige Ex-Augsburger an. „Das war der Tabellenletzte. Aber für uns war der Sieg unmenschlich wichtig. Wir haben so viele junge Spieler, wenn ihr pfeift, das bringt uns alles nichts. Wir müssen jetzt zusammenhalten!“ Mölders kennt die Ansprüche bei Traditionsclubs. „Es ist ganz wichtig, dass er jetzt vorneweg marschiert“, sagt Gorenzel. „Und er wird dem einen oder anderen Fan mit seinem Appell einen Denkanstoß gegeben haben.“
An solchen hatte sich zuletzt auch Gorenzel versucht mit seinem wiederholt geäußerten Wunsch nach Planungssicherheit. Nach der sonntäglichen Aufsichtsratssitzung, bei der er sein zweigleisiges Konzept präsentierte, erwartet der Sport-Geschäftsführer bis Ende nächster Woche Klarheit in Sachen Budget für die neue Saison. „Spätestens am 1. März weiß ich Bescheid“, sagte er gestern. „Dann müssen die Lizenzunterlagen eingereicht werden.“ Ohne frisches (Ismaik)-Geld wird der Klassenerhalt als Ziel ausgegeben werden, das hat Gorenzel bereits angedeutet. Neuerdings will er von einer Tendenz zum Sparkurs allerdings nicht mehr sprechen. Weil Genussscheine nun doch wieder eine Option sind? Allzu überraschend wäre es inzwischen nicht mehr.