Liverpool – Der Gesichtsausdruck von Jürgen Klopp hatte ganz kurz etwas Furchteinflößendes. Richtig bissig fixierte der Teammanager des FC Liverpool sein Pendant Niko Kovac und redete zornig auf ihn ein. Der Grund: Der Trainer des FC Bayern hatte ihm nicht sofort nach dem Abpfiff des Achtelfinal_Hinspiels in der Champions League die Hand geschüttelt, in England ist das aber so üblich. Es war ein Missverständnis, wie sich herausstellte. Sekunden später konnten beide darüber lachen.
„Ich habe ihm gesagt, er soll sich beim nächsten Mal nur kurz zu mir umdrehen, dann hätte ich auch zu meinen Leute gehen können. So stand ich da wie der Ochs vorm Berg“, berichtete Klopp schmunzelnd. Kovac räumte seinen Fauxpas ebenso gelassen ein. „Ich bin erst zur Bank und habe mit meinem Staff und meinen Jungs abgeklatscht, so wie wir das Deutschland machen. Dafür habe ich mich aber entschuldigt.“
Der kleine Dissens hinterließ also keine Spuren, das war bei diesem intensiven Kampfspiel im Stadion an der Anfield Road schon anders. Allerdings blieb das erhoffte Spektakel aus, weil die Bayern „super konzentriert waren und uns das Leben echt schwer gemacht haben“, wie der Reds-Coach einräumte. So sei dieser erste Showdown im Achtelfinale der Königsklasse laut Klopp „wie das Hornberger Schießen“ gewesen: „Viel Ballyhoo vor dem Spiel und am Ende ist das jetzt herausgekommen.“
Ein 0:0, das Klopp „absolut in Ordnung“ fand. „Es ist kein Traumergebnis, aber ein Ergebnis, mit dem wir arbeiten können“, sagte er. Wenngleich der frühere Mainzer und Dortmunder Coach nicht erwähnte, dass Liverpool in dieser Saison bisher alle Auswärtsspiele der Königsklasse verloren hat. In der Gruppenphase unterlagen die Engländer i Paris St. Germain, Roter Stern Belgrad und dem SSC Neapel. „Ich bin sicher, dass Bayern sich besser fühlt als wir, aber wir haben drei Wochen, es ist nichts entschieden.“
Klopp (51) erlebte, dass Anfield diesmal nicht seinen ganz besonderen Effekt entfaltete, weil die Münchner abgeklärt und gerade in der Defensive mit erstaunlicher Ballruhe agierten. Das dämpfte die Emotionen der Reds-Anhänger immer wieder. Und schließlich war das gefürchtete Trio Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane nicht der entscheidende Faktor – die Münchner störten deren Offensivdrang häufig geschickt. „Wir hatten so viele Momente, die wir uns selber kaputt gemacht haben“ fand Klopp gleichwohl.
Und Reds-Legende Jamie Carragher machte ohnehin Mut für das Rückspiel am 13. März: „Ein torloses Remis ist das beste Remis, das du bekommen kannst und weil ihnen kein Auswärtstor geglückt ist, wird das bei Bayern im Hinterkopf sein.“
„Wie das Hornberger Schießen“