Madrid – Diego Simeone griff sich herzhaft bei den Genitalien und brüllte, als habe ihn ein Pferd getreten. Der Wüterich unter den Champions-League-Trainern feierte mit einer obszönen Geste den Sieg von Atletico Madrid gegen Juventus Turin – und, wie er erklärte: vor allem sich selbst. Im Juve-Shirt senkte unterdessen Cristiano Ronaldo, das ewige Ungeheuer unter dem Bett aller Atletico-Fans, geschlagen den Kopf.
„Es war keine sonderlich schöne Geste. Die Wahrheit ist: Mir war einfach danach“, sagte Simeone, der für seine wüsten Ausbrüche berühmt und berüchtigt ist. „Es bedeutete: Wir haben Eier.“ Diese habe er gezeigt, indem er Diego Costa und Koke trotz langer Verletzungspausen aufgestellt habe: „Es verlangt Eier. Und es hat funktioniert.“
Simeone nach dem verdienten 2:0 (0:0) im Achtelfinal-Hinspiel auf seinen latenten Hang zum Anstößigen zu reduzieren, wäre allerdings unangebracht. Einst war er bei Lazio, Atletico und Inter Mailand ein erfolgreicher Spieler im Mittelfeld. In acht Jahren als Trainer hat der 48-Jährige ein Bollwerk errichtet, das bei jeder Mannschaft in Europa gefürchtet ist. Legendär sicher steht seine Defensive, inspirierend sind seine Ansprachen.
In einer „magischen Nacht“ (Torschütze Diego Godin) bekam das auch Ronaldo zu spüren. Der Portugiese ist die Nemesis Atleticos, der Mann, der mit Real immer zum Tiefschlag ausholte, wenn sich der Stadtrivale mal aus dem langen Schatten der Königlichen erheben wollte. So war es 2014 im Finale der Champions League, 2016 im Finale, 2017 im Halbfinale.
Umso größer war am Mittwoch die Genugtuung, den voller Inbrunst ausgepfiffenen Superstar endlich einmal ausgeschaltet zu haben. Ronaldo rackerte wie wild, er peitschte seine Mitspieler auf, aus der „Albtraum-Nacht“ (Gazzetta dello Sport) riss er Juve nicht. Zwar erhielt er pflichtgemäß Lob von seinem Trainer Massimiliano Allegri, realistischer aber war die Einschätzung der Gazzetta: „Cristiano spielte wie einer unter vielen.“ sid