Seefeld – Was David Garrett kann, werden seine Fans demnächst auf Tour auch in München zu sehen bekommen. In Seefeld gab er schon eine Kostprobe. „Eye of the Tiger“spielte er zum Ende der WM-Eröffnungsfeier.
Gäbe es hier in Seefeld Sportler, mit denen Sie gerne tauschen würden?
Hmm, nein. Ich treibe sehr gerne Sport, aber mein Herz schlägt viel zu sehr für die Musik. Damit bin ich sehr glücklich. Und als Hochleistungssportler musst du doch eine besondere körperliche Konstitution mitbringen. Ich bin wirklich sportlich, aber diese besondere Konstitution habe ich leider nicht.
Wobei ein Zwei-Stunden-Konzert . . .
. . . ist eine Mischung aus Gedächtnis- aber auch körperlicher Leistung. Ich bin danach schon auch komplett durchgeschwitzt. Der Körper merkt natürlich, dass man ihm eine große Leistung abverlangt. Deshalb mache ich auch viel Sport. Laufen, Krafttraining und Cardio – das mache ich das ganze Jahr über. Du musst schon schauen, dass du fit bist. Wobei die größte Arbeit sicher die ist, das Programm zu lernen und zu gestalten. Und ich möchte ja auch den ein oder anderen Wow-Effekt in meine Konzerte einbauen. Mir ist so eine Art Wagnersches Gesamtkunstwerk sehr wichtig, und ich möchte natürlich meine Höchstleistung ausloten. Bei so einer Tour wie „Unlimited Live“, die wir jetzt vorbereiten, dauert dieser Prozess alleine ein halbes Jahr.
Höchstleistung klingt schon wieder nach einer Parallele zum Sport.
Das ist es ja auch. Alles, was im Leben mit Qualität zu tun hat, erfordert Disziplin, Arbeit und eine gute Vorbereitung. In beiden Bereichen kannst du nichts erzwingen. Der Unterschied ist: In der Musik machst du mehr Dinge aus dem Bauch heraus, das ist im Sport, glaube ich, nicht so.
Was bedeutet für sie Sport als Bühne – so wie hier bei der WM, wo sie bei der Eröffnung aufgetreten sind?
Ich bin jemand, der Sport liebt und auch lebt. Deshalb ist es auch ein tolles Erlebnis, ein kleiner Teil davon zu sein. Ich habe ja schon mehrere Sportereignisse unterstützt. Ich habe zum Beispiel für die Fußball-Nationalmannschaft die Hymne gespielt. Gegen Holland war das. Oder bei Wladimir Klitschko habe ich vor einem WM-Kampf beide Hymnen gespielt. Das bleibt hängen.
In Seefeld haben Sie Eye of the Tiger aus „Rocky“ gespielt. Das hätte sich bei Klitschko gut gemacht.
Ich glaube, so eine Rock-Nummer ist schon etwas, was sehr gut zu so einer Veranstaltung gut passt. Das ist etwas Motivierendes. Ich hoffe sehr, dass es den Leuten gefallen hat.
Bei der Nordischen WM geht es seit Donnerstag um Gold. Für Sie in gewisser Weise auch. Sie haben eine stattliche Sammlung an goldenen Schallplatten. Kann man das vergleichen?
Ich glaube, als Profimusiker wie auch als Profisportler hat man ein Gespür, ob man gut war. Das sind die eigenen Messlatten. Und dafür arbeitest du. Wieder und immer immer wieder. Gut zu sein ist eine Sache, aber gut und erfolgreich zu bleiben, eine andere. Das Tolle an einer Goldenen Schallplatte ist, dass ich sehe, wie sehr die Fans meine Musik lieben und auch, wie sehr sie mich unterstützen, und das über all diese Jahre hinweg. Das ist natürlich ein großartiges Kompliment und Geschenk.
Praktisch, wenn das Supertalent auch ein Superarbeiter ist.
Das ist in den meisten Berufen eine ganz gute Kombination. Bei mir haben da meine Eltern, glaube ich, ganz gut nachgeholfen. Sachen, die man mal beigebracht bekommen hat, vergisst man nicht. Ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn ich wenn ich diese Disziplin vernachlässigen würde. Was nicht heißt, dass es mir nicht passiert. Manchmal esse ich Fastfood, weil einfach Lust darauf habe und dann liege ich abends im Bett und denke mir: „Oh, Mann, dafür quälst du dich morgen noch mal zwei Stunden mehr im Fitnessstudio.“ Ich ärgere mich dann über mich selbst, und das ist auch gut so. Denn sonst nimmt das eine Spirale nach unten.
Noch ein Wort zur WM. Wem drücken Sie die Daumen?
Ach, im Sport habe ich eigentlich nie vor dem Spiel schon einen Favoriten. Oder sagen wir: Ich bin für die, die das Spiel gestalten und durch die bessere Leistung überzeugen.
Interview: Patrick Reichelt