Weiter unschlüssig

Ist E-Sport Echt-Sport?

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Der Autor dieses Kommentars war neulich eingeladen zum Launch (so sagt man heute) des ersten deutschen Fernsehsenders, der E-Sport ausstrahlt. Weil Sport1 (die mit dem „Doppelpass“ und etwas später den sexy Surferinnen) die Hoheit hat über den Kanal, heißt der esports1. Die Veranstaltung fand in einem Nachtclub statt, es drang also kein Tageslicht herein – womit ein Klischee über das Spielen am Computer erfüllt worden wäre: Dass man vergisst, ob draußen die Sonne scheint oder der Mond aufgegangen ist. Aber: Zu essen gab es nicht Pizza aus dem Karton vom Lieferdienst, sondern nur vegetarische Kost, frisch zubereitet, kalorienarm und gesund – Ausgleich in der Klischeewertung. Und schließlich noch der 2:1-Siegtreffer für den E-Sport: Es war ein FIFA-Gamer von Schalke 04 da. Ein drahtiger junger Kerl, der nach viel Waldlauf aussah und an einem Bildschirm mal eine Demonstration seiner Fingerfertigkeit gab: Mit seinem Controller dirigierte er das virtuelle Schalke 04 zu einer 4:0-Halbzeitführung gegen den FC Bayern. Der Schreiber dieser Zeilen muss zugeben: Er hat sich fesseln lassen von dieser Darbietung.

Aber er ist sich auch noch nicht richtig schlüssig: Ist das Gaming Sport oder Spiel? Oder sind es nur Teile? Es haben ja beide Seiten recht mit ihrer Argumentation. Es ist sportlich, was an Konzentration gefordert wird, es geht bei vielen Spielen um Teamwork, um Strategie, schnelle Entscheidungen, Instinkt, Spielintelligenz – aber das klassische Körpererleben, das einen an die Grenze der Atmung treibt, das Brennen übersäuerter Oberschenkel- oder Armmuskeln, das fehlt halt, so gesehen ist E-Sport kein Echt-Sport. Und passen die Ego-Shooter-Spiele( viel öfter gespielt als FIFA oder andere Sportsimulationen), ins Bild von den Idealen des Sports? Gut, da wird der E-Sportler kontern: Wie vorbildhaft ist euer etablierter Sport denn noch mit seinen Doping- und Korruptionsskandalen? Man kann da schlecht widersprechen.

So richtig kommen, das hat der Politik-Gipfel diese Woche gezeigt, Sport mit und ohne E noch nicht zusammen. Wobei man aber fragen kann, warum es für die Computerspieler so erstrebenswert sein soll, behandelt zu werden wie die Mitglieder in den Turn- und Fußballvereinen? Klar, es geht um Gemeinnützigkeit, um Vorteile in der Förderung. Doch braucht eine bereits jetzt im Anfangsstadium schon so professionalisierte Szene das? Und ist Vereinsheim-Ambiente nicht viel zu piefig?

Guenter.Klein@ovb.net

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