München – Im Fußball gibt es immer weniger Konstanten. Nur noch zwei Sachen sind sicher: Claudio Pizarro wird auch noch mit 72 für ein Tor in der Nachspielzeit gut sein – und der FC Bayern kickt eher in Blauweiß, als dass er sein legendäres Festgeldkonto für einen Star plündert. An der Säbener Straße plant man im Vergleich zur europäischen Konkurrenz weiterhin konservativ. Geht es nach Fredi Bobic, ist im Sommer aber Schluss mit der Sparpolitik: „Die Bayern müssen sinnvoll investieren“, so der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. „Es kann sein, dass sie den einen oder anderen von uns interessant finden, aber ich glaube, dass da noch ganz andere Große um die Ecke kommen werden. Wenn sie an unseren Spielern interessiert sind, müssen die Bayern richtig bluten.“
Bobic bezieht sich damit vor allem auf einen Spieler: Luka Jovic. Auf den Serben haben die Bayern in ihrer Rolle als Rosinenpicker der Liga bereits ein Auge geworfen, mittlerweile steht er aber auch bei den Rosinenpickern Europas auf dem Zettel. Wollen die Münchner den nächsten Fall Frenkie de Jong, den ihnen Barcelona im Winter für 75 Millionen Euro wegschnappte, vermeiden, so müssen sie besagtes Festgeldkonto leichter machen – und zwar spürbar. Bobic über seine Juwelen: „Im späten Frühling wird der eine oder andere Verein vorstellig werden. Dass sich Vereine mit unseren Spielern beschäftigen, sehe ich an der Scouting-Liste bei jedem Heimspiel. Das ist die Crème de la Crème, die waren vor zwei Jahren noch nicht da.“
Und die hat ihre Augen vor allem auf Jovic gerichtet. Sowohl der FC Barcelona als auch Real Madrid sind am 21-jährigen Serben, der die Torschützenliste der Bundesliga mit 14 Treffern anführt, interessiert. Noch ist der bullige Knipser von Benfica Lissabon an die SGE ausgeliehen, die sich jedoch eine Kaufoption in den Vertrag schreiben ließ. Laut Bobic wird sie dann gezogen, „wenn mein Finanzvorstand sagt: Jetzt ziehen wir sie!“ Als Ablöse schweben den Hessen 50 Millionen Euro vor, das Interesse von mehreren Klubs könnte Jovic’ Preis aber weiter in die Höhe treiben. Bobic: „Wir werden an unsere Grenzen gehen, um die Mannschaft so gut es geht zusammenzuhalten. Aber wir haben natürlich brutale Konkurrenten, vor allem im wirtschaftlichen Bereich – da sind bei uns irgendwo Grenzen.“
Bei Bayern gab es die bis zuletzt auch, wenn es um irrwitzige Ablösesummen ging, spätestens beim geplanten Kaderumbruch im Sommer werden die Sparfüchse ihre Prinzipien über Bord werfen müssen. Neben Jovic beobachteten Hasan Salihamidzic und Scoutingchef Marco Neppe vergangene Woche auch Ajax-Talent Matthijs de Ligt – an dem 19-Jährigen, für den Ajax rund 60 Millionen Euro will, ist allerdings auch Barca dran. Callum Hudson-Odoi (18) und Lucas Hernandez (23) stehen weiterhin ganz oben auf der Transferliste. Könnte also ein teurer Sommer werden. cm,jau