In Tirol, so heißt es, herrschen manchmal raue Sitten. So gesehen war es wahrscheinlich keine allzu große Überraschung, dass Mirjam Weichselbraun, die Moderatorin der Eröffnungsfeier, den Segen für diese WM ausgerechnet bei Markus Wackerle erbat. Wackerle ist kein Geringerer als der Chef des Seefelder Schützenvereins. Und als solcher hatte er eine Abordnung der zielsichersten Kräfte aus den vier Teilgemeinden Seefeld, Scharnitz, Leutasch und Reith vor der schmucken Seekirche antreten lassen, die in den kommenden zehn Tagen zum meist gezeigtesten Bild der WM werden dürfte. Legt an und Feuer: drei Salven jagten die versammelten Schützen in den Himmel. Was es dort oben bewirkt hat, man wird sehen. Gestern erfreute sich Seefeld ja zumindest schon einmal strahlenden Sonnenscheins.
Aber nun gut, Tirol hat ja glücklicherweise auch weit weniger bedrohliche Folklore zu bieten. So spielten bei der Eröffnungsfeier auch die Abordnungen der vier Musikkapellen der sogenannten Olympiaregion Seefeld auf, die Wiltener Sängerknaben gaben ihre Kunst zum Besten. Und gleich 60 Kinder auf der Bühne werden sicher auch länger in Erinnerung bleiben als der unvermeidliche WM-Song „Time 4 Heroes“, zu dem sie tanzten. Österreichs Verteidigungsminister Mario Kunasek war als Abgesandter der Regierung in Wien davon jedenfalls schwer erfüllt: „Wir freuen uns, dass wir in einem wunderbaren Land leben“, schwärmte er, „Hier in Tirol ist das Wunderbare im wunderbaren Österreich immer noch ein wenig größer.“
Wir schließen uns für die Zeit dieser Weltmeisterschaft in Seefeld nur zu gerne an. Sicherheitshalber. Nicht dass Markus Wackerle den Segen für das Geschehen in Tirol am Ende auch von uns erbittet. PATRICK REICHELT