München – „Es wird ein bisschen mühsam, immer nur über das eine Spiel zu reden; München, München“, sagt Pavel Gross, der Trainer der Adler Mannheim, man kann ihm eine leichte Genervtheit anmerken. „Es ist ein ganz normales Spiel, da gibt es auch nur drei Punkte, wenn man gewinnt. Es ändert die ganze Situation gar nicht.“
Von der Hand zu weisen ist das nicht. Die Partie des Ersten der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), Mannheim, gegen den Zweiten, den EHC München, findet heute (19.30 Uhr) statt, am bereits 49. von 52 Spieltagen, und angesichts der Faktenlage, dass die Adler dem bayerischen Verfolger sechs Punkte voraus sind, wird die Reihung wohl nicht mehr umgestoßen. Der 48. Spieltag hat die große Spannung herausgenommen: Der EHC München ließ in Krefeld zwei Punkte liegen (2:3 n. V.), Mannheim wurstelte sich trotz einer Fülle von Fehlern in der Defensive mit 6:5 gegen Bremerhaven durch.
Aber natürlich: Die Brisanz ist nicht rauszunehmen aus diesem vierten Treffen. Zwei wurden im Penaltyschießen entschieden (eines für München, eines für Mannheim), das letzte Spiel kurz vor Weihnachten am Münchner Oberwiesenfeld gewannen die Adler 3:1. Sie überzeugten und zeigten, welche Entwicklung sie seit dem Halbfinale 2018 genommen haben.
Damals wirkten sie technisch und läuferisch nicht auf dem Niveau des EHC, obwohl sie mit sechs Silbermedaillengewinnern von Pyeongchang antraten (München: sieben). Die Serie (4:1 für den EHC) geriet überemotional, über den Pinizzotto-Check gegen Matthias Plachtas Plachtas Kopf sprach Deutschland. Später wurde Opfer Plachta selbst zum Täter, als er dem Münchner Lauridsen den Finger brach.
Mannheim hat mit Neuverpflichtungen wie Markus Eisenschmid, Mark Katic und Joonas Lehtivuori spielerisch zugelegt. Allerdings fehlt es den Adlern auch nicht an Härte: Der Münchner Trevor Parkes fing im ersten Spiel einen Check ein, nach dem er einige Wochen ausfiel, am Dienstag konnten zwei Bremerhavener (Moore, Rumble) nicht weiterspielen. Ihr Trainer Thomas Popiesch übte Schiedsrichterkritik, woraufhin die DEL ein Ermittlungsverfahren gegen ihn einleitete. Pavel Gross, in der Bewertung der strittigen Szenen mit dem Kollegen Popiesch uneins, findet aber, man solle sich frei äußern dürfen „Doch die Liga klebt uns ein Pflaster auf den Mund, alles ist verboten. Die Liga wird ohne öffentliche Kritik nicht besser, darum sind die Fußballer meilenweit vorne.“
Ein ganz normales Spiel wird Mannheim – München nicht. Man wird Zeichen für ein mögliches Treffen im Finale setzen. Und es ist absehbar, dass die beiden Finanz-Schwergewichte die DEL auch kommende Saison beherrschen. Die Adler haben mit dem Iserlohner Lean Bergmann (20 Jahre alt, 18 Tore) einen Stürmer verpflichtet, der für den EHC von Reiz gewesen wäre. Doch auch München bastelt am Team 19/20 und hat einen Star im Visier: Philipp Gogulla (25 Tore, 26 Assists) aus Düsseldorf. Gogulla spielte in Nationalmannschaft und Köln viele Jahre neben Patrick Hager, dessen Partner in München Michael Wolf ist.
Wolf hört auf, es wird Ersatz gebraucht.