109 Punkte – und trotzdem Zweiter

von Redaktion

EISHOCKEY Mit dem 3:1-Sieg gegen Ingolstadt stellt der EHC München einen Clubrekord auf

VON CHRISTOPHER MELTZER

München – Als der Schiedsrichterassistent den Puck aufs Eis fallen ließ, versuchten Patrick Hager und Darin Oliver diesen mit dem Schläger zu treffen. Nur kontrollierten weder Hager, der Eishockeystürmer des EHC München, noch Oliver, der Angreifer des ERC Ingolstadt, die Scheibe. Sie hoppelte über das Eis, touchierte einige Schläger, rutschte Oliver durch die Beine, bis sie irgendwie an die Hand von Yasin Ehliz hüpfte, der sofort reagierte. Als er den Puck zum Schläger geführt hatte, feuerte er aus der Drehung einen Schuss ab, der ins Tor zischte – und eine Partie drehte, in der München lange nicht die bessere Mannschaft war.

Im drittletzten Auftritt der DEL-Hauptrunde hat der EHC München am Sonntagabend in der Olympia-Eishalle (5080 Zuschauer) Ingolstadt 3:2 (1:1, 2:0, 0:1) besiegt. Doch das Ergebnis täuscht ein wenig. Vor allem im ersten Drittel reihten sich Spielsequenzen aneinander, in denen es dem Meister schwerfiel, sich überhaupt aus dem eigenen Drittel zu befreien. Allerdings belohnte sich Ingolstadt, der Tabellensechste, in den Druckphasen nur mit einem Tor. Und spätestens als Ehliz in jener 33. Minute aus dem Gewusel heraus das 2:1 erzielte, bahnte sich an, was in der DEL zuletzt zur Gewohnheit geworden ist: Punkte für den EHC München. Seit nun 19 Spielen hat der Meister in jedem mindestens einen Zähler erbeutet, was im Umkehrschluss heißt: Seit 19 Spielen hat München nicht mehr innerhalb der regulären Spielzeit ein Ligaspiel verloren.

Der EHC sammelt also fleißig Punkte, 109 sind es jetzt schon, mehr als je zuvor in der eigenen Clubgeschichte. Umso erstaunlicher, dass das nur für den zweiten Tabellenplatz genügt – weil es eine Mannschaft gibt, die noch mehr Zähler angehäuft hat. Die Adler Mannheim hatten zuvor schon die Nürnberg Ice Tigers 4:1 geschlagen und in der DEL eine neue Bestmarke aufgestellt. Mit 112 Punkten brachen sie den alten Rekord der Eisbären Berlin (109 Punkte in der Saison 2002/03).

Die Chancen auf den nächsten Hauptrundentitel des EHC München sind also weiter gesunken – wenn auch sie noch zwei Partien haben, um den Drei-Punkte-Rückstand aufzuholen. „Wir erledigen unsere Aufgaben und dann schauen wir, was die Mannheimer machen“, hatte EHC-Verteidiger Konrad Abeltshauser vor dem Duell mit Ingolstadt noch zu „Magentasport“ gesagt. Die eigene Aufgabe erwies sich am Sonntag auch als ziemlich kompliziert. In der elften Minute brachte Maurice Edwards den ERC in Führung (11.). Der EHC, der erst in der achten Minute das erste Mal aufs Tor geschossen hatte, kam durch Yannic Seidenberg in Überzahl aber schnell zum Ausgleich (13.). Und als Ehliz (33.) und Andreas Eder (35.) mit einem Doppelschlag auf 3:1 erhöhten, war die Vorentscheidung gefallen. Der Anschlusstreffer von Jerry D’Amigo in der 57. Minute kam einfach zu spät.

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