Seefeld – Einen winzigen Moment des Zweifels musste Fabian Rießle dann doch noch hinnehmen. Auf seiner vorletzten Runde büßte der Schwarzwälder alleine rund 13 Sekunden auf die Verfolger aus Norwegen und Österreich ein. Das war mehr als die Hälfte des Polsters, das er sich in diesem Team-Sprint der Nordischen Kombinierer zuvor gemeinsam mit Eric Frenzel erarbeitet hatte. Doch die beiden Deutschen reagierten, wie Champions reagieren. Sie drückten noch einmal aufs Tempo. Wenige Minuten später schlitterte Rießle souverän als Erster vor Norwegen und Österreich ins Ziel. Und war wenig später hoch beglückt: „Das war ein cooler Tag für uns.“
Zweiter Auftritt, zweiter Sieg – und so langsam, aber sicher macht sich bei der Konkurrenz der Ski-Zweikämpfer wieder die mulmige Frage breit: Wer soll diese Deutschen in Seefeld schlagen? Das war so nicht abzusehen gewesen nach einer holprigen Saison. Vor allem auf der Schanze hatten die deutschen Athleten im Weltcup reichlich Meter liegen gelassen. Dass man nun wieder einmal im Ernstfall die Wende geschafft hat – für Bundestrainer Hermann Weinbuch liegt die wichtigste Erklärung im Kopf. „Die Jungs haben ein enormes Vertrauen in ihr Können“, sagte er, „die glauben einfach daran, dass sie es im richtigen Moment abrufen können.“
Wobei das Verblüffende ist: Die deutschen Kombinierer haben sich auf der Schanze nicht nur herangekämpft. Wie Frenzel bereits am Freitag diktierten die Deutschen auch im Team-Sprint das Geschehen auf der Schanze. 130 Meter für Frenzel und immerhin 128 für Rießle blieben am Ende auch von den höher eingeschätzten Japanern und Österreichern unübertroffen. Gut möglich, dass tatsächlich Frenzels Auftaktsieg in dieser Hinsicht so etwas wie ein Knotenlöser war. „Bei mir war das auf alle Fälle so“, sagte der Sachse, der mit nun sieben Goldmedaillen der alleinige Rekord-Weltmeister der Ski-Zweikämpfer ist, „ich habe jetzt gesehen, wie ich in den Sprung eingreifen muss, um das zu erreichen, was ich will.“ Auch Rießle stimmte gerne zu: „Ich habe mir gedacht, wenn der ’Effe’ das kann, dann muss das bei mir auch funktionieren.“
Und dass man sich um die Laufform nicht sorgen muss, wusste man im deutschen Lager ja schon vor diesen Titelkämpfen. Acht Sekunden Vorsprung auf die Japaner und auch die 27 auf die Norweger schienen nicht unbedingt ein Ruhekissen für die insgesamt 15 Kilometer Langlauf. „Vor allem, weil die anderen in der Gruppe laufen konnten, habe ich schon damit gerechnet, dass sie auch aufschließen könnten“, hatte sich Weinbuch ausgerechnet.
Doch Frenzel und Rießle hielten die Verfolger lange auf Distanz. Bis Rießle dann doch kurzzeitig den heißen Atem der Verfolger spürte. Doch Frenzel hatte das schon einkalkuliert. „Wir haben uns schon gedacht, dass wir am Ende mehr Körner haben als die, die aufholen mussten“, sagte der 30-Jährige.
Und zumindest eine kleine Feier durften sich Deutschen zur Halbzeit der Kombinations-Wettbewerbe in Seefeld gestern Abend schon genehmigen. Zumindest gab es Grillwürste am Wachs-Truck. „Das Bier gibt es nur für uns“, betonte Weinbuch, „die Burschen brauchen noch Energie für die zweite Woche.“ Das klang fast schon wie eine Drohung an die Konkurrenz.