So manch anderer hätte nach den Ergebnissen dieser Tage wohl ins Schwimmen kommen können. Aber Werner Schuster ist ein Mann mit Prinzipien. Und so hat der Österreicher auch nach dem Doppelschlag auf dem heimischen Bergisel keinen Zweifel daran gelassen. Nein, eine Zukunft als Bundestrainer der deutschen Skispringer wird es für ihn nicht geben. Doch es bleibt eine noch immer ungelöste Frage: Was passiert mit dem Mann, der in elf Jahren Amtszeit aus dem Nichts die derzeit weltbeste Springerabteilung geformt hat?
Es ist kein Geheimnis, dass der Österreichische Skiverband den verlorenen Trainersohn gerne wieder hätte. Doch zunehmend mehr spricht dafür, dass dieses Buhlen wohl vergebens ist. Eine Entscheidung wird sicher erst im Nachgang der WM fallen. Aber schon jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Schuster dem derzeitigen Arbeitgeber in Deutschland erhalten bleibt.
Mag schon sein, dass die Idee, langjährige Erfolgstrainer im System zu halten, für den Deutschen Skiverband in der Vergangenheit nicht immer die Beste gewesen ist. Doch im Falle von Schuster dürfte der Fall anders liegen. Erst recht, weil der DSV den 49-Jährigen offenbar nicht mit dem Fachgebiet lockt, in dem er sich in den letzten zwei Jahrzehnten bewegt hatte. Schuster könnte zu einem der zentralen Köpfe einer DSV-Akademie werden. Dahinter verbirgt sich so etwas wie ein Kompetenzzentrum, über das der Verband dieser Tage nachdenkt.
In diesem Zusammenhang an Schuster zu denken, liegt nahe. Der Kleinwalsertaler hat im letzten Jahrzehnt oft bewiesen, dass er nicht nur ein begnadeter Netzwerker und Stratege ist. Schuster hat auch immer wieder gezeigt, dass er eine Nase für modernste Entwicklungen im Trainergeschäft hat. Als in diesem Winter viele seiner Kollegen mit einem Chip zu experimentieren begannen, mit dem sich die Auftritte auf der Schanze besser entschlüsseln lassen, stellte sich heraus: Schuster tat das schon seit einem Jahr mit einer eigenen Entwicklung.
Was dabei herauskommt, hat man in diesen Tagen gesehen. Drei Medaillen in bislang zwei Wettbewerben sprechen für sich. Den Kopf hinter diesen Medaillen als Ideenschmied an Bord zu halten, ist da sicher nicht die schlechteste Idee.
patrick.reichelt@ovb.net