München – Als das Spiel eigentlich schon entschieden war, stürzte sich der Kanadier Andrew Bodnarchuk auf den Finnen Ville Koistinen. Er riss ihm den Helm ab, krallte sich mit der linken Hand an Koistinens Trikot fest und versuchte, mit der rechten Faust seinen Kopf zu erwischen. Er traf ihn auch. Von Koistinens Stirn tropfte das Blut, die Schiedsrichter beendeten den Kampf. Als Mads Christensen, der Stürmer des EHC München, die Schlägerei zwischen seinem Vereinskollegen Bodnarchuk und dem Ingolstädter Koistinen am späten Sonntagabend kommentieren sollte, sagte er: „Es ist, wie es ist. Man hofft, dass er den Gegner mehr trifft als er getroffen wird.“
Nun kann man es natürlich für recht dämlich halten, dass sich zwei Profisportler überhaupt prügeln. Klar, das gibt’s im Eishockey oft, manche sagen, es gehört dazu. Auf dem Eis wird viel geredet, viel provoziert, weshalb man Bodnarchuks Kampf mit viel Wohlwollen auch folgendermaßen interpretieren kann: Der EHC hat sich nicht aufgegeben – obwohl er zwei Spieltage vor dem Ende der DEL-Hauptrunde nur sehr schlechte Chance hat, noch Erster zu werden.
Am Sonntag hat München, der Titelverteidiger, den ERC Ingolstadt 3:2 besiegt, mit 109 Punkten sogar einen Clubrekord aufgestellt. Nur reichen solche Fabelzahlen in dieser Saison nicht für die Spitzenposition. Die Adler Mannheim haben unter dem Kommando des Trainers Pavel Gross 112 Punkte gesammelt, eine neue DEL-Bestmarke. Es ist schwer vorstellbar, dass der EHC die Adler in den finalen zwei Spielen noch abfängt, zumal der direkte Vergleich für die Adler spricht. Der Münchner Trainer Don Jackson sagte es so: „Da muss schon etwas Besonderes passieren.“
Der EHC wagt in dieser Woche eine letzte Attacke. Am Freitag in Schwenningen, am Sonntag dann in der Olympia-Eishalle gegen Bremerhaven. Und selbst wenn die beiden Spiele nicht reichen, um Mannheim noch zu überholen, kann Don Jackson sie gut gebrauchen, um an kleinen Fehlern zu arbeiten, die sich gegen Ingolstadt offenbarten. „Ein paar Reihen“, sagte Jackson, „tun sich in der Defensive ein bisschen schwer.“ Weil er vor der Saison viele neue Spieler in sein aggressives Abwehrsystem integrierte, gebe es immer noch Spieler, die es lernen müssen. Auch Mads Christensen gab zu, dass seine Mannschaft nicht das beste Spiel gemacht habe. „Wir waren oft einen Schritt hinterher, in den Playoffs müssen wir besser anfangen, bereit sein.“ Dazu kommt, dass Stürmer Jason Jaffray, 37, der sich gerade erst zurückgemeldet hatte, wieder verletzt fehlte. Jackson sagte, dass der Kanadier eine „komplizierte Verletzung“ habe und „ein paar Dinge mit dem Arzt“ machen müsse.
Am vorletzten Wochenende der DEL-Hauptrunde, das sollte man trotz mäßiger Leistung gegen Ingolstadt nicht vergessen, haben die EHC-Profis auch etwas geschafft, was Don Jackson sicher gefallen hat. Am Freitag haben sie die Adler Mannheim 2:1 besiegt – jenes Team, das den Meister in den Playoffs unbedingt entthronen will.