Ein Projekt für Schuster

von Redaktion

Mit dem Aufbau einer Akademie will der DSV seinen Erfolgstrainer halten

VON PATRICK REICHELT

Seefeld – Der Kopf hinter den Erfolgen kam spät und er trat unauffällig ins Geschehen. Werner Schuster schaute sich mit einem Schmunzeln aus dem Abseits an, wie sich seine Skispringer auf der Bühne des Deutschen Hauses für ihr traumhaftes erstes WM-Wochenende feiern ließen. Dem Bundestrainer dürfte es ganz Recht gewesen sein, zur Abwechslung einmal nicht mit im Mittelpunkt gestanden zu haben. Weil ihm damit auch die Fragen nach seiner Zukunft erspart blieben. An den Wettbewerbstagen am Bergisel hatte Schuster über seinen bevorstehenden Abschied teilweise gescherzt: „Ich hoffe, dass es für diese Mannschaft in Zukunft hier auch bei der Vierschanzentournee funktioniert, wenn ich als Bremsklotz weg bin.“

Doch von Erfolg zu Erfolg werden die Fragen natürlich lauter: Wohin führt der Weg des Medaillenschmiedes nach dem Ende dieser Saison. Eine Entscheidung wird erst nach der WM fallen. Doch die Zeichen mehren sich, dass der 49-Jährige seinem derzeitigen Arbeitgeber doch erhalten bleiben könnte. Das deutete gestern auch DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger an. „Wir sind mit Werner in guten Gesprächen“, sagte sie, „und ich bin sehr, sehr zuversichtlich, dass es uns gelingt, ihn bei uns zu halten.“

Bislang hatte man Schusters Optionen im DSV eher in der Nachwuchsarbeit an einem Stützpunkt gesehen. Doch Orgeldinger deutete an, dass die Zukunft des Umworbenen gar nicht unbedingt im Skispringen liegen muss. Geködert hat man den Mieminger offenbar mit einem übergeordneten Prestigeprojekt. „Wir sind in der Überlegung, eine DSV-Akademie aufzubauen“, deutete Orgeldinger an, „dabei könnte Werner sehr wertvoll für uns sein.“

Klar ist nur: Als Chefcoach einer Weltcupmannschaft wird man Schuster nicht sehen. Dessen ist sich auch sein einstiger österreichischer Weggefährte Ernst Vettori sicher. „Der Werner ist der derzeit wahrscheinlich beste Trainer der Welt. Jeder würde ihn gerne haben“, sagte der Mann, der im Vorjahr als Sportchef des Österreichischen Skiverbands zurückgetreten war, „aber ich bin mir hundertprozent sicher, dass er keinen Job in der ersten Reihe machen wird.“

Womit natürlich auch weiter die Frage bleibt: Wer macht ihn dann? Wer wird das deutsche Team vom kommenden April an weiter betreuen. Zuletzt war dafür auch immer wieder Andreas Bauer ins Spiel gebracht worden, der die deutschen Frauen zum weltbesten Ensemble gemacht hat. Doch Bauer winkte gestern in Seefeld noch einmal ab. „Ich bin 55 und damit doch schon ein paar Jahre älter als der Werner“, sagte er, „ich weiß nicht, ob man da unbedingt einen neuen Job braucht.“ Außerdem sei er mit dem, was er derzeit mache, „ganz zufrieden“.

Womit weiterhin also alles auf Stefan Horngacher hinweist. Schusters einstiger Assistent führt derzeit ja noch beim polnischen Team die Verantwortung. Doch der Österreicher hatte schon mehrfach angedeutet, dass er einer möglichen Anfrage aus Deutschland überaus wohlwollend gegenüberstehen würde.

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