Gelsenkirchen/Köln – Das Vakuum in der sportlichen Führung von Schalke 04 durch die Rücktrittsankündigung von Christian Heidel hat den deutschen Fußball-Vizemeister unter Zugzwang gesetzt. Angesichts des Zeitdrucks scheinen bei den Königsblauen mehrere Modelle für die Nachfolgeregelung denkbar.
Bei den meisten Spekulationen steht – nach einem Treffen mit Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und auch noch Heidel vor Monatsfrist – vor allem Ex-Manager Jonas Boldt vom Ligarivalen Bayer Leverkusen im Mittelpunkt. Als bevorzugte Variante gilt eine Doppelspitze, für die außerdem der erst kürzlich bei Abstiegskandidat VfB Stuttgart entlassene Sportvorstand und frühere Boldt-Chef Michael Reschke ein Kandidat sein soll. Klaus Allofs wird schon seit mehreren Tagen gehandelt.
„Wir sind nicht unvorbereitet. Wir arbeiten bereits an Lösungen für die Zukunft“, sagte Tönnies der Bild. Wegen der anstehenden Planungen für die neue Saison drängt die Zeit. Hoch im Kurs steht derzeit offenbar Boldt. Der 37-Jährige sucht nach seinem Abschied als Sportdirektor in Leverkusen zum 30. Juni dieses Jahres eine neue Herausforderung. Boldt soll allerdings laut Bild bei dem Meeting mit Tönnies und Heidel eine Aufgabe in der zweiten Reihe als Sportdirektor hinter Heidel gewünscht haben. Der scheidende Sportvorstand selbst bezeichnete Boldt erst zuletzt wieder als „sehr, sehr guten Mann“.
In Boldts Wunschkonstellation kämen Reschke trotz seines Misserfolgs in Stuttgart und der seit über zwei Jahren arbeitslose Ex-Europameister Allofs (früher Bremen und Wolfsburg) als direkte Heidel-Nachfolger in Betracht. Bundesliga-Insider Reiner Calmund brachte bei Sky zudem den früheren Nationalspieler Christoph Metzelder wegen dessen Schalker „Stallgeruchs“ ins Gespräch.
Heidels Rückzug kann jedoch auch noch Trainer Domenico Tedesco in Bedrängnis bringen. Angesichts der schlechtesten Zwischenbilanz seit dem Abstiegsjahr 1983 könnte Heidels schützende Hand dem 33-Jährigen bald fehlen. sid