Allianzen machen Ferrari stärker

von Redaktion

Sebastian Vettels Rennstall profitiert von der Zusammenarbeit mit Alfa Romeo und Haas

VON RALF BACH

München – „Ferrari ist im Moment die Messlatte, ganz klar.“ Red-Bull-Motorsportchefberater Helmut Marko (75) nimmt in unserer Zeitung zu Beginn der zweiten Testwoche, die auch gleichzeitig die letzte vor dem Saisonauftakt in Melbourne am 17. März sein wird, kein Blatt vor den Mund. Marko: „Der Ferrari ist beeindruckend. Wie viel er vor uns liegt, ist noch schwer zu sagen. Aber was wir sagen können: Wir sind klar vor Mercedes.“

Allein: Es ist nicht nur das technische Konzept, das Sebastian Vettels Rennstall im Moment so stark macht. Der neue Ferrari-Teamchef Mattia Binotto (49) hat es geschafft, auch die richtigen Allianzen zu schmieden. Mit Alfa Romeo und Haas hat Ferrari zwei Satellitenteams, die den „Binotto-Weg“ voll mitgehen. Soll heißen: Ferrari beliefert beide Teams nicht nur mit Motoren, sondern auch mit Know-how. Und bekommt entsprechendes Feedback, das auch der Weiterentwicklung des eigenen Autos dient. Red Bull hat mit Juniorpartner Toro Rosso auch ein Team, das genutzt werden kann. „Ich glaube, Mercedes steht da ein wenig alleine da,“ vermutet Marko, „ich kann mir nicht vorstellen, dass der Einfluss, den Mercedes bei seinen Kundenteams Racing Point und Williams hat, so groß ist.“

Gerade während der ersten Testwoche in Barcelona wurde deutlich, wie die Zusammenarbeit zwischen Ferrari und seinen Partnerteams funktioniert. Wie unsere Zeitung erfuhr: Es gab regelmäßige Meetings zwischen Binotto und Vertretern von Sauber und Haas, bei denen Testprogramme besprochen wurden. Alfa und Haas gehen in der Zusammenarbeit mit Ferrari allerdings verschiedene Wege. Während Haas alle Teile, die laut Reglement erlaubt sind, direkt von Ferrari bezieht, baut Alfa alles selbst. Alfa-Chefdesigner Simone Resta ist jedoch ein Ferrari-Mann. Immer noch. Der hochtalentierte Designer wechselte im vergangenen Jahr von Maranello nach Hinwil. Sein Gehalt bekommt der enge Binotto-Vertraute immer noch aus Maranello.

Deshalb ist es wohl auch kein Zufall, dass Fiat-Tochter Alfa als einziges Team neben der anderen Fiat-Tochter Ferrari die innovative nach oben gerichtete Frontspoiler-Variante wählte. Bedeutend ist auch: Ferrari-Motorchef Luigi Fraboni ist ebenfalls für Alfa zuständig. Für Experten wie Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer steht deshalb fest: „Gerade in der Zeit, in denen Testfahrten so beschränkt sind, ist es wichtig, dass man auf legalem Weg so viele Daten wie möglich sammeln kann. Und Alfa und Haas profitieren ja auch davon.“

Marko stimmt dem zu: „Toro Rosso hat in der vergangenen Saison mit Honda Entwicklungsarbeit für uns geleistet und wahrscheinlich sogar einige Rennen dafür geopfert. Aber das macht sie 2019 stärker. Sie profitieren auch davon.“

Fest steht: Während Ferrari und Red Bull in der zweiten Woche schon Tests für das Rennen in Melbourne absolvieren können, muss Mercedes eine schwerwiegende Entscheidung treffen. Mercedes, dessem Auto ein völlig anderes Konzept als Ferrari und Red Bull zugrunde liegt, muss in dieser Woche entscheiden, ob man sein Konzept weiterverfolgt oder ein neues Auto bauen muss, das sich am Ferrari und Red Bull orientiert.

Diese B-Version wäre aber erst beim fünften Rennen in Barcelona einsatzbereit. Das Problem: Mercedes, das am Donnerstag in Barcelona mit einem Aerodynamik-Update überraschte, ist auf sich alleine gestellt. Auf Daten der Partnerteams kann man nicht zurückgreifen.

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