Der Bierofka-Faktor

von Redaktion

Seitdem der Trainer beim TSV 1860 arbeitet, steigern sich seine Teams in der Rückrunde

VON LUDWIG KRAMMER UND ULI KELLNER

München – Es war im Trainingslager im spanischen Oliva Nova, als Daniel Bierofka eine seiner Lieblingsthesen auspackte. „Ich habe mit meinen Mannschaften in der Rückrunde immer mehr Punkte geholt als in der Hinrunde“, sagte der Trainer des TSV 1860. „Ich gehe davon aus, dass das wieder so sein wird.“

Gesagt, getan! Mit den Siegen gegen Lautern, Aalen und Cottbus sowie den Remis gegen Lotte und Uerdingen liegt Bierofka knapp auf Kurs. Elf Punkte holte er mit seinen Löwen in sechs Rückrundenspielen. In der Hinrunde waren es zum selben Zeitpunkt zehn.

Auch die vergangenen Jahre halten dem Faktencheck stand: Ehe seine U 21 zur ersten Mannschaft wurde, hatte Bierofka zwei ganze Spielzeiten als Coach der Regionalligalöwen absolviert. 2017 ging sein Team mit 63 Punkten durchs Ziel (31 nach der Hinserie), das Jahr davor mit 46 (21). Recht hat er also, wobei die Steigerung höher zu bewerten ist, als Bierofka in beiden Spielzeiten zusätzlich bei den Profis gefragt war – 2016 als Retter (drei Spiele, drei Siege), in der Saison darauf gleich zweimal: vor Weihnachten als Notnagel, später dann als Assistent von Abstiegstrainer Pereira. Aufgerechnet holten die Bierofka-Löwen in den Rückrunden 110 Punkte gegenüber 103 in den Hinserien. Ergibt einen „Bierofka-Faktor“ von 1,068.

Sind die Bierofka-Löwen also Spätstarter wie einst die Artgenossen unter seinem erklärten Trainervorbild Werner Lorant? Nein, es ist eher etwas anderes, das der Coach zum Ausdruck bringen will. Seine Trainerarbeit zielt nicht auf kurzfristige Erfolge, sondern auf Entwicklung. Teamgeist, Technik, Taktik – all das, glaubt Bierofka, werde immer besser, je länger er die Spieler unter seinen Fittichen hat und ihnen eine intensive Wintervorbereitung angedeihen lassen kann. Die Erfahrung zeigt, dass Aufgebote bei 1860, egal in welcher Liga, zu Beginn eines Sommers meist recht neu gestaltete Konstrukte sind.

Die aktuelle Saison bildet da keine Ausnahme. Mit Adriano Grimaldi, Stefan Lex, Quirin Moll, Simon Lorenz, Romuald Lacazette und den sechs Regionalliga-Zugängen Willsch, Abruscia, Paul, Böhnlein, Bekiroglu und Belkahia kamen zehn Spieler von außen, inzwischen wirkt die Mannschaft wieder wie der vielzitierte verschworene Haufen. „Ich habe heute den Geist vom letzten Jahr gesehen“, sagte Bierofka nach dem gedrehten Spiel gegen Aalen. „Nie aufzugeben, immer daran zu glauben. Das ist der Charakter vom letzten Jahr. Das zeichnet diese Mannschaft aus.“

Die weiteren Wegmarken: Beim nächsten Gegner in Rostock hieß es in der Hinrunde 2:2, gegen Wehen-Wiesbaden gab’s ein 1:2 auf Giesings Höhen, anschließend im Derby in Haching ein 1:1. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen also, um den Bierofka-Faktor weiter nach oben zu schrauben.

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