Der nächste Meilenstein für die fliegenden Frauen hätte einem in Seefeld auch glatt entgehen können. Auf manch einem Zeitplan für die Nordische Weltmeisterschaft war das gestrige Teamspringen noch gar nicht verzeichnet. Das ist auch kein Wunder – erst vor gut drei Wochen nahm der Weltverband FIS die schöne Idee in sein Programm auf. Wem das zu verdanken ist, ist erstaunlich ungeklärt. Österreichs allmächtiger Ski-Präsident Peter Schröcksnadel reklamierte den Vorstoß dieser Tage ebenso für sich wie DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger.
Den Springerinnen wie Katharina Althaus, Daniela Iraschko oder Maren Lundby wird es vermutlich herzlich egal sein. Man darf nach Einzel- und Mixed ein drittes Mal um WM-Medaillen springen. Einzig der Gang auf die Großschanze am Bergisel blieb den Frauen noch verwehrt. Und dabei muss man auch nicht hinterfragen, warum die FIS fürs erste nur einen Bruchteil der Preisgelder ausschüttet, die bei den Männern zu haben sind. Die Aufnahme des Mannschaftswettbewerbs ist für die Frauen ein Erfolg. Ein großer Schritt auf dem Weg zur Chancengleichheit. Und keine Frage: Es ist ein verdienter Schritt. Denn die Szene hat sich massiv weiterentwickelt. Frauen-Skispringen hat nichts mehr zu tun mit der fragwürdigen Weltmeisterschafts-Premiere von Liberec 2009, wo sich hinter den Pionierinnen teilweise heillos überforderte Kinder an der viel zu großen Schanze versuchten.
Es wird eine interessante Frage, ob die Verantwortlichen aus den Erfahrungen in Tschechien gelernt haben. In zwei Jahren in Oberstdorf wartet eine ähnliche Situation. Unter dem Schattenberg feiern die Frauen dann bekanntlich auch ihre WM-Premiere in der Nordischen Kombination, die in Seefeld noch eine reine Männerdomäne ist. Wird Oberstdorf ein neues Liberec oder doch schon ein Seefeld? Den Beteiligten bleiben zwei Winter um die noch junge Szene der Skizweikämpferinnen WM-würdig zu entwickeln.
Der Deutsche Skiverband immerhin hat in dieser Situation schon einmal ganz gutes Gespür bewiesen. Der Verband schob die Szene der Springerinnen von Beginn an stark mit an – und ist heute mit gleich drei Athletinnen in den Top-5 des Weltcups die mit Abstand dominierende Nation.
patrick.reichelt@ovb.net