Die aktuelle Offensiv-Flaute schlug Robert Lewandowski ohnehin schon auf den Magen, jetzt kam auch noch ein Infekt dazu.. Nicht umsonst kritisierte der Torjäger des FC Bayern nach dem 1:0-Sieg gegen Hertha BSC am vergangenen Samstag die mangelnde Durchschlagskraft im Angriff des deutschen Rekordmeisters: „Es ist wichtig, zu null zu spielen, aber wir waren zu wenig kreativ. Offensiv war es ein bisschen zu wenig von uns.“
Ein Blick auf die Statistik zeigt: Vergangene Saison hatte der Stürmer zum gleichen Zeitpunkt deutlich mehr Tore (20 Treffer) auf dem Konto als jetzt (13). Markus Brunnschneider, Spielanalyst am Internationalen Fußball Institut (IFI) in Ismaning, findet das nicht besonders überraschend, weil der Pole diese Saison weniger Risiko geht. „Auffällig ist, dass sich Lewandowski in vielen Bereichen im Vergleich zur Vorsaison sogar verbessert hat, wenn man seine Torleistung ausklammert. So überspielt er beispielsweise deutlich mehr Gegner mit seinen Pässen pro Spiel, gibt mehr Torschussvorlagen und hat weniger Ballverluste. Daraus lässt sich ableiten, dass Lewandowski weniger Risiko in der Ballan- und mitnahme geht, wodurch er sich aber auch seltener in eine gute Schussposition bringen kann“, erklärt der Taktik-Experte.
Statt als Individualist mit Tor-Ego sticht der 30-Jährige in dieser Saison als Teamplayer hervor. „Lewandowski hat seinen Spielstil angepasst: Er setzt verstärkt seine Mitspieler mit finalen Pässen in Szene, woraus eine deutlich höhere Assistquote als vergangene Saison resultiert“, erklärte der Spielanalyst. Dies bedeutete, dass Lewandowski deutlich mehr für die Mannschaft spiele. Damit dürfe „eine individuelle Leistungsbewertung auch als Wahrnehmungsfehler diskutiert werden“, sagte Brunnschneider.
Er hat für eine interne Analyse am IFI zahlreiche Daten und Statistiken über den Torjäger ausgewertet und nimmt ihn in Schutz: „Mit Blick auf alle Daten machte Lewandowski in dieser Saison bisher mehr überdurchschnittlich gute Spiele als in der vergangenen Saison. Er hat also eine höhere Kontinuität in seiner Leistung. Allerdings lieferte er bisher weniger Topspiele ab. Hinzu kommt, dass sich die Gegner verstärkt darauf fokussieren, Lewandowski zu neutralisieren, wodurch sich aber auch gleichzeitig mehr Räume für seine Mitspieler öffnen.“
Bisher nutzt die Bayern-Offensive diese Räume aber zu selten. Einer, der den durch Lewandowski frei geräumten Platz nutzen könnte, ist Thomas Müller. Doch der spielt in den Startelf-Überlegungen von Trainer Niko Kovac derzeit keine Rolle. Erstmals seit Mai 2009 war der 29-Jährige in vier aufeinanderfolgenden Pflichtspielen des deutschen Rekordmeisters nur Reservist. „Klar, dass er nicht zufrieden ist, wenn er nicht von Anfang an spielt. Es gibt immer solche Phasen“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. „Aber es kommen auch andere Phasen, deswegen muss man kämpfen, sich reinhauen und dann wird es wieder.“
Lewandowski würde sich wünschen, dass Raumdeuter Müller bald wieder für Chaos am gegnerischen Strafraum sorgt: „Thomas macht immer die Laufwege nach vorne, ist viel in Bewegung. Ich hoffe, dass er bald wieder die Chance bekommt und zeigen kann, dass er ein guter Spieler ist.“