Seefeld – Man musste Peter Schlickenrieder nur ins Gesicht schauen – natürlich hatte den Bundestrainer der deutschen Langläufer die Kritik seines Vorgängers Jochen Behle angepiekst. Doch der 49-Jährige bemühte sich, die angeklungenen Zweifel an seiner Person abtropfen zu lassen. „Der Jochen ist ja berühmt geworden mit ,Wo ist Behle?’“, sagte Schlickenrieder, „Ich würde das umdichten in: „Wer ist Behle?“
Immerhin sei der heutige Eurosport-Experte seit seinem Rücktritt als Bundestrainer im Jahr 2012 aus dem operativen Geschäft beim Deutschen Skiverband draußen. „Ich weiß nicht, ob er das noch so beurteilen kann, was wir gerade alles anstoßen und mit welcher Konsequenz wir es verfolgen“, sagte Schlickenrieder. Die Wortwahl kommt nicht von ungefähr. Behle hatte im Interview mit unserer Zeitung angezweifelt, ob Schlickenrieder in Sachen Konsequenz und Härte die richtige Wahl für den Job als Chefcoach der Langläufer ist.
Wobei es sich für Behles Erben natürlich gut traf, dass seine Schützlinge im gestrigen 10-Kilometer-Rennen einen starken Auftritt hinlegten. Beim erwarteten zweiten Goldcoup von Norwegens Langlauf-Königin Therese Johaug liefen Katharina Henning (Platz 11), Laura Gimmler (13.) und Pia Fink (15.) in den Top-15 ins Ziel. „Hut ab“, sagte Schlickenrieder anerkennend, „Die Mädels haben eine tolle Performance hingelegt.“
Allerdings hatte Jochen Behle eher den Leistungsstand der deutschen Männer ins Visier genommen hatte. Da gab der Amtsinhaber den Ball jedoch an den Vorgänger zurück. „Da sind wir wieder bei Jochen Behle“, sagte er, „wir hatten eine goldene Generation, die durchgezogen worden ist, bis es nicht mehr ging. Was danach kommt, hat niemanden interessiert.“ Und das sei ein Versäumnis, das gerade in einer Ausdauerdisziplin wie Skilanglauf nicht in kurzer Zeit wettzumachen ist. Acht Jahre könne es dauern, bis Veränderungen greifen, habe ihm ein schwedischer Kollege kürzlich gesagt.
Seine erste Saison im Amt habe bislang deshalb auch eher dem Ziel gedient, den Boden für die Zukunft zu bereiten. „Auf Beton kannst du noch so viele Samen schmeißen, da wächst kein Gras“, sagte Schlickenrieder, „am Anfang musst du viel kaputt machen und umpflügen. Das schaut dann wild aus, aber das ist notwendig, wenn du weiterkommen willst.“
Wobei der Bundestrainer für jeden Tipp offen ist. Auch von Jochen Behle. „Er hat doch sehr lange sehr erfolgreich als Trainer gearbeitet“, sagte er, „Wenn er etwas konkret Konstruktives zu sagen hat, dann freue ich mich. Das ist schon auch ein kreativer Austausch.“