München – Tor gegen Aalen, fünf Tage später der nächste starke Auftritt in Cottbus (jeweils 2:1) – Stefan Lex, 29, ist aus der Startelf des TSV 1860 nicht mehr wegzudenken. Vor dem Heimspiel gegen Hansa Rostock am Sonntag baten wir die Nummer 7 der Löwen zum Interview.
Herr Lex, mal ganz unbescheiden: Wie groß ist Ihr Anteil am jüngsten Aufschwung des TSV 1860?
(lacht) Genauso groß wie der der anderen Spieler. Wir haben in den letzten Spielen gezeigt, dass wir jetzt, wo wir geschlossen auftreten, die engen Spiele auch gewinnen können. Wenn man sieht, wie jetzt alle auf den Platz stürmen, wenn wir ein Tor schießen, das ist schon anders als in der Hinrunde.
Gab es im Rückblick einen Moment oder einen Tag, wo Sie gemerkt haben: Jetzt hab ich’s gepackt bei 1860, jetzt hat das Schneckenhaus ausgedient?
Ja, daheim gegen Zwickau, (2:0), wo ich von Anfang an gespielt und ein Tor geschossen hab. Seitdem läuft‘s insgesamt positiv für mich.
Dieses Gefühl, gebraucht zu werden – wie viel Auftrieb gibt Ihnen das?
Das gibt schon Auftrieb, ganz klar. Es macht einfach mehr Spaß, als über Kurzeinsätze Einfluss zu nehmen. Man hat eine andere Sicherheit.
Was denken Sie, wenn Sie jetzt von Leuten gelobt werden, die Sie vor nicht allzu langer Zeit noch als Flop bezeichnet haben?
Ich versuche, so wenig wie möglich über mich zu lesen und krieg’s eigentlich nur dann mit, wenn mir jemand was schickt. Was mich angeht, vertraue ich in erster Linie auf das Feedback des Trainers und das der Mannschaftskollegen. In den meisten Medien wird halt doch vieles schwarz-weiß dargestellt. Wenn wir die letzten beiden Spiele verloren hätten, dann wären wir die größten Deppen. Aber jetzt haben wir zweimal gewonnen, jetzt steig’n ma auf und kaffan an Brasilianer (lacht).
Woraus ziehen Sie generell die meiste Motivation?
Aus mir selbst. Ich will Woche für Woche beweisen, dass ich meinem Verein helfen kann. Wenn man sich nur vom Lob abhängig macht, dann fällt man schnell in ein Loch, wenn’s nicht kommt.
Ist es tatsächlich so, dass man als Spieler von 1860 mit einem extraschweren Rucksack herumläuft?
Es ist schon anders als in Ingolstadt. Damals haben sich meine Leute gefreut, wenn’s bei mir gut gelaufen ist, der Verein war eher zweitrangig. Jetzt geht‘s halt auch darum, dass es bei 1860 läuft. Jetzt steht der Verein im Vordergrund.
Acht Punkte sind’s aktuell nach oben, acht nach unten – wie lebt es sich im Mittelmaß?
Sehr gut. Da wollten wir hin, dass wir eine ruhigere Saison haben und nicht in der unmittelbaren Gefahr sind, unten reinzurutschen. Vor zwei Wochen hätten wir uns nichts Besseres vorstellen können als das, was wir jetzt haben. Jetzt können wir aus einer komfortablen Situation nach vorne schauen. Wir wollen (gegen Rostock) zum ersten Mal in dieser Saison drei Siege in Folge holen.
Waren die beiden jüngsten Gegner so schlecht, oder ist tatsächlich etwas passiert innerhalb der Mannschaft?
In der 3. Liga sind Tabellenplätze nicht so aussagekräftig wie in der ersten oder zweiten. Wir haben nicht nur gewonnen, weil die so schlecht waren, sondern zweimal die Cleverness gezeigt, die es braucht, um drei Punkte zu holen. Rostock wird trotzdem noch mal ein Stück schwerer, das wollen wir jetzt auch meistern.
Gegen Hansa, Wehen und Haching gab’s in der Hinserie insgesamt nur zwei Punkte. Womit wären Sie dieses Mal zufrieden?
Naja, mehr als zwei sollen es schon werden (lacht). In Rostock beim 2:2 hätten wir in der Hinrunde auch gewinnen können. Gegen Wehen (1:2) und Haching (1:1) haben wir noch Rechnungen offen.
Was löst der angekündigte Konsolidierungskurs in Ihnen aus?
Gar nix, weil ich noch nicht gehört hab, dass das auf uns direkte Auswirkungen hat.
Die Saisonziele sollen nach unten angepasst werden.
Ganz ehrlich: Ich bin nicht gekommen, weil wir in zwei Jahren 2. Liga spielen, sondern weil ich bei meinem Lieblingsverein mithelfen will. Wenn es in der nächsten Saison darum geht, in der Liga zu bleiben, dann helfe da ich genauso gern mit.
Interview: Uli Kellner und Ludwig Krammer
„Gegen Wehen und Haching haben wir noch offene Rechnungen.“