Der Schweiger als Medaillenschmied

von Redaktion

Roar Ljoekelsoey gilt als eines der Geheimnisse hinter dem deutschen Springererfolg

Seefeld – Ginge es nach Roar Ljoekelsoey, dann könnte diese Nordische Weltmeisterschaft in Seefeld noch ein ganzes Weilchen weitergehen. Seine norwegischen Landsleute räumen in der Loipe Medaille um Medaille ab. Und er selbst? Der Mann, der seit 2016 Co-Trainer von Bundestrainer Werner Schuster ist, darf mit den deutschen Skispringern jubeln. Drei Medaillen haben die bei der WM schon eingeflogen. Im heutigen Wettbewerb von der kleinen Schanze (16.15 Uhr/ZDF) könnte ein viertes Edelmetall folgen. Ljoekelsoey würde es nicht überraschen. „Wenn es läuft, dann läuft es im Skispringen“, sagte er, „ich bin überzeugt, dass wir auch dort gut aussehen werden.“

Und glaubt man seinem Chef, dann ist Ljoekelsoey einer der wichtigsten Gründe dafür, dass das so ist. „Er war für uns ein absoluter Glücksgriff“, sagte Schuster schon am vergangenen Wochenende. Den 42-Jährigen Norweger hatte der Österreicher ja vor allem mit der individuellen Arbeit mit Markus Eisenbichler, Karl Geiger und Richard Freitag betraut. „Und ich habe versucht, nicht im Weg zu stehen“, sagte Schuster. Hat ja ganz gut funktioniert: Gold und Silber, sowie Platz neun brachten Ljoekelsoeys Schützlinge vom Bergisel mit.

Wobei der einstige Skiflugweltmeister nicht nur die technische Seite des deutschen Toptrios im Blick hat. Als Schuster Ljoekelsoey aus der Nachwuchsarbeit im norwegischen Verband losgeeist hatte, hatte er sich auch ausgerechnet, dass dessen Ruhe während der Wettkämpfe hilfreich sein kann. „Ich versuche schon, das an die Springer weiter zu geben“, sagte der Skandinavier. Vor allem beim neuen Doppel-Weltmeister Eisenbichler ist das vielleicht das wichtigste Detail. „Ihn muss man manchmal bremsen.“

Dabei hat Roar Ljoekelsoey gar nicht allzu viele Chancen, Zugang zu den deutschen Springern zu finden. Der Mann hat seinen Lebensmittelpunkt immer noch zu Hause in Trondheim, bei seiner Frau und den drei Söhnen. Bei der Weltmeisterschaft in Seefeld ist er über die komplette Zeit vor Ort. Doch in der Regel pendelt er jedes Wochenende zwischen seinem Domizil und jenen Orten, an denen ihn der Arbeitgeber braucht. Alleine „fünf bis sechs Stunden Flugzeit“ über Oslo oder Kopenhagen nimmt der ehemalige mehrfache Weltmeister dafür jedes Mal in Kauf.

Auch das ist natürlich ein Grund, warum er sich noch nicht festlegen will, ob er dem Deutschen Skiverband über diese Saison hinaus treu bleiben will. Wie Schusters Vertrag läuft auch seines im April aus. Roar Ljoekelsoey wird sich mit seiner Familie besprechen, ob das aufreibende Pendelmodell weitergehen soll. Doch er will auch abwarten, wer Schuster („Er ist mit Sicherheit einer der besten Trainer der Welt“) im Amt beerben wird. Mit dem neuen Chef wird er Gespräche führen. Denn natürlich ist es für einen wie ihn sehr reizvoll, mit einigen der weltbesten Skispringern zu arbeiten.

Er selbst, so viel ist klar, meldet keine Ambitionen auf die Rolle als neuer Chefcoach an. Die großen Strategien zu entwickeln, die Öffentlichkeitsarbeit – das liegt ihm nur bedingt. Das sagt er auch selbst: „Ich glaube, dass eine Rolle in der zweiten Reihe besser zu mir passt“  rp

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