Klare Botschaft an Rafinha

von Redaktion

Nach der Kritik des Verteidigers an Kovac reagiert der Bayern-Trainer – und bekommt eine Entschuldigung

VON MARC BEYER

München – Niko Kovac besitzt die seltene Gabe, auch undankbarste Themen mit einem freundlichen Gesicht anzusprechen. Selbst als er gestern in der Presserunde zu Thomas Müller und dessen Reservistenrolle Stellung beziehen sollte, verlor der Trainer des FC Bayern nicht die Contenance. Neu war nur. dass er diesmal die Aussage verweigerte. „Sieben, acht Monate“ sei man jetzt zusammen, rechnete er den Reportern vor, und langsam sei er es leid, ständig nur auf all die unzufriedenen Spieler angesprochen zu werden, die es nicht in die Startelf oder überhaupt nicht auf den Rasen schaffen. Bisher habe er die Fragen immer beantwortet. „Ab heute nicht mehr.“

Die unfreiwillige Ironie bestand darin, dass Müller, der zuletzt tatsächlich ungewöhnlich selten zum Zug gekommen ist, morgen abend in Mönchengladbach zur Abwechslung mal wieder eine tragende Rolle spielen könnte. Denn, und auch das teilte Niko Kovac in sehr aufgeräumter Stimmung mit: Es gibt für ihn noch unerfreulichere Themen als Geschichten über prominente Reservisten. Die Auflistung aller kranken oder angeschlagenen Spieler las sich wie der Kader für ein wichtiges Spiel.

Der Reihe nach: Sven Ulreich habe nach einem grippalen Infekt wieder mittrainiert, „Mats Hummels auch“, dagegen habe Manuel Neuer noch pausiert, man hoffe aber auf die heutige Einheit. Kingsley Coman und Corentin Tolisso fehlen sowieso, „Arjen Robben ist auch klar“, aber das war noch nicht alles. Leon Goretzka laboriert weiterhin an seiner Sprunggelenksverletzung, David Alaba neuerdings an einer Sehnenreizung. Und schließlich, „last but not least“, werde Franck Ribery wegen eines Magen-Darm-Infekts in Mönchengladbach ganz sicher nicht zur Verfügung stehen.

An dieser Stelle wäre nun Thomas Müller ins Spiel gekommen, für den sich in der Offensive urplötzlich wieder ein Plätzchen finden lassen könnte. Aber es ging dann doch eher um einen anderen Reservisten. Während Müller seine undankbare Rolle zuletzt klaglos hingenommen hat, verschaffte Rafinha am Wochenende dem Frust über fehlende Einsätze lautstark Luft („In letzter Zeit ist der Trainer nicht korrekt zu mir“). Selbst dem freundlichen Kovac war das zu viel.

Grundsätzlich sei es ja so: „Niemand darf sich über die Mannschaft, den Verein und die Mitspieler stellen.“ Und unter gar keinen Umständen könne ein Profi sich „so kritisch über den Trainer äußern“. Ähnlich deutlich teilte er das auch Rafinha mit, und die Botschaft scheint angekommen zu sein. Der Rechtsverteidiger, der spätestens im Rückspiel gegen den FC Liverpool am 13. März als Vertreter des gelbgesperrten Joshua Kimmich eine wichtige Rolle spielen wird, habe sich vor der gesamten Mannschaft bei ihm entschuldigt, berichtete Kovac: „Damit ist das Thema vom Tisch.“ Ein Hinweis war ihm aber schon noch wichtig: „In dieser Form darf das nicht passieren.“ Er schaute dabei nicht mal unfreundlich. Aber sein Ton ließ keinen Zweifel daran, wie ernst ihm die Sache.

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