München – Im Doping-Skandal um den „deutschen Fuentes“ aus Erfurt kann es jederzeit ziemlich unangenehm werden für einige Sportler und Sportlerinnen. 40 Blutbeutel liegen bei den Ermittlern der Staatsanwaltschaft München auf dem Tisch. Noch sind die Namen der Athleten nicht zugeordnet, doch die Experten arbeiten mit Hochdruck daran.
Oder der Doping-Arzt packt aus und nennt die Namen der Athleten, die Blutbeutel zum Eigenblutdoping in seiner Erfurter Praxis lagerten. Laut Bild will der Sportmediziner Mark S. mit der Staatsanwaltschaft kooperieren, seine Kanzlei wollte dies auf Nachfrage aber nicht bestätigen.
Ein Geständnis würde Mark S., der wie ein Komplize in München inhaftiert ist, Strafmilderung bringen. Zwei weitere Komplizen – darunter auch der Vater des Hauptbeschuldigten – sollen von Innsbruck nach München ausgeliefert werden und müssen ebenfalls mit langen Strafen rechnen. Das Quartett soll dem international agierenden Doping-Netzwerk angehören, das am Mittwoch bei der Ski-WM im österreichischen Seefeld zerschlagen worden war.
„Im Gesetz sind für jeden einzelnen Fall der Anwendung von Dopingmethoden – wenn sie gewerbsmäßig und im Rahmen einer Bande erfolgen – bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe vorgesehen, im Falle einer Anklage gehen wir daher schon davon aus, dass es zu einer erheblichen Freiheitsstrafe kommt“, sagte Staatsanwältin Anne Leiding, Pressesprecherin der Münchner Behörde.
Bislang sind fünf Skilangläufer betroffen: die Österreicher Max Hauke und Dominik Baldauf, die Esten Andreas Veerpalu und Karel Tammjärv sowie der Kasache Alexei Poltoranin. Der Skiweltverband FIS sperrte am Freitag die Sportler vorläufig und bestätigte erstmals die Namen. Allen drohen mehrjährige Sperren. Bei der Staffel-Entscheidung am Freitag in Seefeld war – wie angekündigt – kein Quartett der Gastgeber am Start.
Tammjärv berichtete am Freitag über seinen Kontakt zum Erfurter Arzt. In einer Pressekonferenz sagte der 29-Jährige, dass ihm 2016 erstmals eine Injektion von dem Mediziner angeboten worden und er mehrmals zum Doping nach Berlin sowie Frankfurt gereist sei.
Der Österreicher Hauke hatte für den Skandal schlechthin gesorgt, nachdem er bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld während einer Bluttransfusion im Arm erwischt worden war. Ein Polizeivideo mit diesen Bildern sorgte unterdessen für Empörung. Der Verantwortliche, der das Video in einen Messaging-Dienst eingespielt hat, wurde mit sofortiger Wirkung vom Einsatz abgezogen. Ihn erwartet neben dem strafrechtlichen Verfahren auch ein Disziplinarverfahren.
„Dass betrogen wird, ist eh klar. Aber so viel Dummheit“, sagte Doping-Experte Werner Franke über den Vorfall, der den im Mittelpunkt des Skandals stehenden Erfurter Arzt Mark S. als „deutschen Fuentes“ bezeichnete. Der spanische Arzt Eufemiano Fuentes stand unter anderem 2006 im Mittelpunkt des Doping-Skandals bei der Tour des France.
Franke erklärte auch, dass ihm der Standort Erfurt in den letzten Jahren „immer wieder“ in Zusammenhang mit Doping begegnet sei. Auch Stefan Hügel, Präsident des Landessportbundes (LSB) Thüringen, räumte ein, dass es schon länger Gerüchte über Mark S. gab. sid