Kubacki gewinnt die Lotterie

von Redaktion

Bei fragwürdigen Bedingungen holt der Pole WM-Gold auf der Normalschanze

VON PATRICK REICHELT

Seefeld – Irgendwann an diesem Nachmittag hatte der Schnee endgültig von der Toni-Seelos-Schanze Besitz ergriffen. Erst irrlichterten die Flöckchen nur um den Schanzenturm, dann nahmen sie die Spur fest im Griff. Karl Geiger hatte lieber gar nicht hingeschaut, der Oberstdorfer ahnte beim langen Warten während dieses Finales der WM-Konkurrenz von der Normalschanze schon, dass dieser zweite Versuch seine Tücken mit sich bringen würde. Bei 92,5 Metern klatschte er in den Schnee. Aus Platz zwei nach dem ersten Durchgang wurde die 18 und dabei beschlich den 26-Jährigen das Gefühl, gar nicht so sonderlich viel falsch gemacht zu haben. „Wenn du im Anlauf plötzlich zwei km/h hinterher bist, musst du dich schon fragen, ob das noch Sinn macht.“

Seinem polnischen Kollegen Dawid Kubacki konnte es egal sein. Er war mit einem 104,5-Meter-Satz vom 27. Platz noch zum Titel geflogen. Und hatte bei der Aufholjagd gleich noch Landsmann Kamil Stoch (von 18 auf 2.) und Österreichs Titelverteidiger Stefan Kraft (von 10 auf 3.) aufs Siegerpodest mitgenommen. Wie das funktionieren konnte, wusste der 28-Jährige am Ende selbst nicht so recht. „Ich habe den Wettkampf eigentlich schon abgehakt“, sagte er, „ich wollte halt noch ein paar Plätze nach vorne kommen.“

Wobei am Ende eines, einer WM nicht gerade würdigen, Wettkampfes immerhin den Trost gab, dass keine Zufallssieger aufs Podest kletterten. Kubacki, Stoch und vor allem Kraft hatten schon die Trainingseinheiten maßgeblich mitbestimmt. Und so konnte auch Bundestrainer Werner Schuster gönnen: „Da sind schon die drei richtigen vorne.“

Der Österreicher durfte am Ende in Richard Freitag, Stephan Leyhe und Markus Eisenbichler sogar noch ein Trio auf den Plätzen fünf bis sieben und damit in Schlagdistanz zu den Medaillen registrieren. Wobei sich gerade Eisenbichler weder mit dem Wettkampf noch mit seinem Auftritt anfreunden konnte: „Das war einfach nur zäh.“00

Derweil brauchte auch der polnische Trainer Stefan Horngacher eine Weile, bis er das Geschehen so recht begriffen hatte. Der Österreicher war mit seinen Schützlingen nach den so dominanten Wochen im Weltcup auf der Großschanze noch als großer Verlierer dagestanden. Und auch den gestrigen Wettbewerb hatte er bei Halbzeit nach einem Blick auf die Ergebnislisten schon abgehakt („Frustrierend“). Am Ende drehte sich die Ergebnisliste um.

Doch bei aller Freude – mit dem „Wie“ konnte sich auch Horngacher nicht ganz anfreunden. „Mir wäre es lieber gewesen, die hätten den Wettkampf abgebrochen und bei stabilen Bedingungen am Sonntag gesprungen“, sagte der 49-Jährige, der für viele als Favorit auf die Nachfolge von Werner Schuster beim Deutschen Skiverband gilt. Ein Vertagen auf den Schlusstag, an dem bei einer Nordischen WM traditionell nur noch der 50-Kilometer-Langlauf ansteht, hätte auch Stefan Kraft nach getaner Arbeit favorisiert. „Verschieben wäre die bessere Lösung gewesen“, sagte der Österreicher, der bis zur Qualifikation am besten mit der Seefelder Anlage zurechtgekommen war. Und doch war auch Kraft mit sich und der Welt zufrieden. Auch der beste Österreicher war nach seinem sechsten Platz auf der Großschanze als einer der Verlierer dagestanden. Nun konnte er sich mit der Bronzemedaille versöhnen – und die genoss er auch in vollen Zügen: „Diese Medaille ist bei mir ganz hoch angesiedelt.“

Und die Deutschen? Können sich immerhin trösten, dass es an diesem Samstag ja noch eine weitere Medaillenchance im Mixed-Wettbewerb gibt. Und die Wetterprognosen dafür sehen sehr viel besser aus.

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