Irschenberg/München – Biathlet Arnd Peiffer war vergangenen Samstag seinem Team-Kollegen Erik Lesser davongefahren. Über eine Stunde betrug der Vorsprung des Sprint-Olympiasiegers. Allerdings nicht bei einem Rennen auf Langlauf-Skiern, sondern bei der Anreise zur WM-Vorbereitung in Hochfilzen.
Während der aus Oberhof angereiste Lesser mit seinem Auto noch im Stau auf der A8 steckte, bereitete der Holzkirchner im Rahmen einer Charity-Aktion am Irschenberg den Gästen einer Kaffeerösterei längst schon Kaffee zu. Erst nachdem einige Tassen des Heißgetränkes für einen guten Zweck über die Bar gewandert waren, trudelte Lesser beim Sponsor der beiden Biathleten ein.
„Ich hatte auch einen Heimvorteil. Bei der WM wird es vermutlich etwas enger zugehen“, sagte Peiffer (31) schmunzelnd. Bei der Weltmeisterschaft ab dem 7. März in Östersund will der derzeitige Gesamtweltcup-Achte auch vor seinem Team-Kollegen stehen. Und die Scheiben am Schießstand ebenso präzise treffen wie am Irschenberg die Knöpfe der Kaffeemaschine.
,Nachdem der gebürtige Niedersachse die beiden Übersee-Weltcups krankheitsbedingt hatte absagen müssen, möchte sich Peiffer in den Trainingseinheiten in Hochfilzen zunächst wieder akklimatisieren. „Ich muss zunächst schauen, wo ich stehe“, erklärt der Biathlet des WSV Clausthal-Zellerfeld. Die hohen Ansprüche an sich selbst bleiben beim Bronzemedaillengewinner der Olympia-Staffel von Pyeongchang unverändert groß. „Eine Medaille mit nach Hause zu nehmen, ist das große Ziel bei einer WM. Wenn man eine Medaille im Gepäck hat, kann man zufrieden sein“, sagte Gesamtweltcup-Vierte des Vorjahres.
In der Verfolgung in Oberhof und in Hochfilzen landete Peiffer zweimal auf Platz zwei. Er weiß aber auch, dass die Konkurrenz groß ist in den Einzelrennen. „Da muss für eine Medaille schon alles passen“, sagte er.
Im Oberland konnte Peiffer vor der WM seine Akkus aufladen. „Es gefällt mir hier sehr gut und ich fühle mich sehr wohl“, meint der aktuell beste Deutsche im Gesamtweltcup. Im Kaffeehaus am Irschenberg holte sich der deutsche Meister in der Verfolgung nach der wohltätigen Aktion für „KidsTUMove“, einem Programm der TU München für Kinder und Jugendliche mit angeborenem Herzfehler und chronischen Erkrankungen, schon einmal einen Koffein-Energieschub für die WM. „Wir müssen fit sein, das ist das Entscheidende“, sagte Peiffer nach der Scheckübergabe von 3000 Euro für den guten Zweck.
Einen Muntermacher wird der Genussmensch Peiffer zukünftig wohl öfter benötigen. .Er ist seit Ende letzten Jahres Papa. „Da braucht man morgens schon einmal einen starken Kaffee, damit man in Gang kommt“, sagte Peiffer zum neuen Familienleben. In dieser Hinsicht hat Lesser einen Vorsprung gegenüber Peiffer. „Ich hoffe nicht, dass ich für die Weltmeisterschaft einen Kaffee-Boost brauche. Ich denke, dass meine Basis so gut ist, dass ich ganz gut dabei bin“, sagte Lesser.
Robert M. Frank